Wilhelm Tell

Friedrich von Schiller

1789

Wenn rohe Kräfte feindlich sich entzweien, Und blinde Wut die Kriegesflamme schürt; Wenn sich im Kampfe tobender Parteien Die Stimme der Gerechtigkeit verliert; Wenn alle Laster schamlos sich befreien, Wenn freche Willkür an das Heil′ge rührt, Den Anker löst, an dem die Staaten hängen: - Da ist kein Stoff zu freudigen Gesängen.

Doch wenn ein Volk, das fromm die Herden weidet, Sich selbst genug, nicht fremden Guts begehrt, Den Zwang abwirft, den es unwürdig leidet, Doch selbst im Zorn die Menschlichkeit noch ehrt, Im Glücke selbst, im Siege sich bescheidet: - Das ist unsterblich und des Liedes wert. Und solch ein Bild darf ich dir freudig zeigen, Du kennst′s, denn alles Große ist dein eigen.

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Illustration zu Wilhelm Tell

Interpretation

Das Gedicht "Wilhelm Tell" von Friedrich von Schiller beschäftigt sich mit den Themen Gerechtigkeit, Freiheit und der Kraft des Volkes. Es zeichnet ein Bild der Verzweiflung und des Chaos, wenn rohe Kräfte aufeinanderprallen und die Stimme der Gerechtigkeit verloren geht. In solchen Zeiten gibt es keinen Anlass für freudige Gesänge. Doch dann wendet sich das Gedicht und beschreibt ein Volk, das fromm seine Herden weidet, sich selbst genügt und den unwürdigen Zwang abwirft. Dieses Volk bewahrt selbst im Zorn die Menschlichkeit und bescheiden sich im Glück und im Sieg. Es ist unsterblich und des Liedes wert. Das Gedicht stellt einen Kontrast zwischen der Verzweiflung und dem Chaos einerseits und der Stärke und Würde eines freien Volkes andererseits her. Es zeigt die negativen Auswirkungen von rohen Kräften und blindem Zorn, die zur Zerstörung und zum Verlust der Gerechtigkeit führen. Doch dann präsentiert es ein positives Beispiel eines Volkes, das seine Freiheit und Menschlichkeit bewahrt. Dieses Volk wird als unsterblich und des Liedes wert beschrieben, was seine Stärke und seinen Wert unterstreicht. Das Gedicht endet mit einer Anspielung auf Wilhelm Tell, der als Symbol für Freiheit und Stärke steht. Der Sprecher sagt, dass der Zuhörer dieses Bild kennt, da alles Große ihm gehört. Dies deutet darauf hin, dass Wilhelm Tell ein Vorbild für Freiheit und Stärke ist und dass seine Geschichte und Taten von großer Bedeutung sind. Das Gedicht ruft dazu auf, die Werte der Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit zu bewahren und sich von rohen Kräften und blindem Zorn fernzuhalten.

Schlüsselwörter

selbst rohe kräfte feindlich entzweien blinde wut kriegesflamme

Wortwolke

Wortwolke zu Wilhelm Tell

Stilmittel

Alliteration
Wenn rohe Kräfte feindlich sich entzweien
Hyperbel
Das ist unsterblich und des Liedes wert
Kontrast
Im Glücke selbst, im Siege sich bescheidet
Metapher
Und solch ein Bild darf ich dir freudig zeigen
Personifikation
Doch selbst im Zorn die Menschlichkeit noch ehrt