Wild verwirrt sind mir die Sinne

Karoline von Günderode

1801

Wild verwirrt sind mir die Sinne; Steig herauf, eh ich beginne, Dich am Schlangenhaar zu greifen, Wüthend an den Tag zu schleifen. Weh wenn du mit Antwort geizest, Schwer mir so die Seele reizest, Wisse das ich dann dich finde, Wärst du in der Höllenschlunde. Peitsche dich mit Flammenruthen, Bade dich in Hölengluthen; Dich soll die Sommersgluth verzehren Und Todesangst dein Leben nähren. Kein Mitleid soll dir Trost gewähren, Schmerz, Qual erzeugen und gebähren, Drum steig herauf ehe gewaltig Dich ergreifet meines Zornes Mächtige Rechte!

Wer ruft so mit mächtiger Stimme in den Abgrund, Daß der Hela Burgen erbeben Und wiederhallen Die dunklen Klüfte Vom gräßlichen Nachhall?

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Illustration zu Wild verwirrt sind mir die Sinne

Interpretation

Das Gedicht "Wild verwirrt sind mir die Sinne" von Karoline von Günderode thematisiert die Verzweiflung und den Zorn der Sprecherin. Sie fühlt sich von ihren eigenen Sinnen überwältigt und verwirrt, was zu einem inneren Kampf führt. Die Sprecherin droht, die Person, an die sie sich wendet, gewaltsam aus der Tiefe zu ziehen, wenn sie nicht antwortet. Dies deutet auf eine tiefe emotionale Abhängigkeit und die Angst vor Verlassenheit hin. Die Sprache des Gedichts ist sehr bildhaft und intensiv. Die Sprecherin verwendet Metaphern wie "Schlangenhaar" und "Höllenschlunde", um die Härte und den Zorn auszudrücken, den sie empfindet. Die Drohungen, die sie ausspricht, sind extrem und deuten auf eine tiefe Verzweiflung und einen Verlust der Kontrolle hin. Die Verwendung von Wörtern wie "Peitsche", "Flammenruthen" und "Höllengluthen" verstärkt die Intensität der Emotionen. Das Gedicht endet mit einer Frage, die die Verwirrung und den Schmerz der Sprecherin noch weiter verstärkt. Die Frage nach demjenigen, der mit einer mächtigen Stimme in den Abgrund ruft, lässt darauf schließen, dass die Sprecherin sich selbst in einem Zustand der Verzweiflung und des Schmerzes sieht. Die Erwähnung von "Hela Burgen" und "dunklen Klüften" verleiht dem Gedicht eine düstere und mystische Atmosphäre, die die emotionale Intensität der Sprecherin unterstreicht.

Schlüsselwörter

steig herauf soll wild verwirrt sinne beginne schlangenhaar

Wortwolke

Wortwolke zu Wild verwirrt sind mir die Sinne

Stilmittel

Alliteration
Wisse das ich dann dich finde
Apostroph
Steig herauf, eh ich beginne
Bildsprache
Dich am Schlangenhaar zu greifen
Frage
Wer ruft so mit mächtiger Stimme in den Abgrund
Hyperbel
Dich soll die Sommersgluth verzehren
Metapher
Vom gräßlichen Nachhall
Personifikation
Schwer mir so die Seele reizest