Wiegenliedchen
1772dem Sack- und Spaldingischen Enkel zu Magdeburg gewidmet Den 3ten September 1771
Mischt immer eure Blätter, spielet Gedankenvoll, und hoffend fühlet Die Freuden des Gewinnes ganz; Mein Geist, zu stoisch und zu trocken, Ließ nie die Charten sich verlocken, Und hüpfte nie zu einem Tanz!
Zu steif den Fuß im Tact zu lenken, Zu roh, beym Spiele was zu denken, Blieb ich in beyden ungelehrt; Ich kenne nicht der Blätter Nahmen, Weiß nicht, was Buben sind und Damen, Weiß nichts vom Blatt, dem Sieg gehört.
Nur Bücher hab ich liebgewonnen, Darinn gelesen, nachgesonnen, Selbst eins gemacht, so schlecht es war! Nichts fragt ich da nach Spiel und Tänzen, Ich las, wodurch sich Helden cränzen, Und träumte Schlachten und Gefahr!
Ich ging, auf selbst gebauten Wällen, Ließ sich mein Volk in Ordnung stellen Und that, als wie ein General; Warf Schanzen auf, schoß Ziegelstücke, Zog schlechterdings mich nicht zurücke, Sprach laut wenn ich den Sturm befahl!
War eine Vestung eingenommen, Dann ließ ich meine Völker kommen Drang tiefer ein in Feindes Land, Marschirte listig hin und wieder Hieb viele tausend Feinde nieder, In allen Nesseln die ich fand.
Da lagen dann die kleinen Leichen, Gefällt von meinen starken Streichen, Bey tausenden gestreckt vor mir; Stolz dacht ich mich als Ueberwinder Ich war ein Kind, und wie die Kinder Thun gar zu oft im Alter wir!
O meine Phantasie ist heftig, Schon dazumahl war sie geschäftig, Als ich noch meine Heerde trieb; Itzt aber sieht sie andre Schlachten Denkt die, die sich unsterblich machten, Und den, der sich unsterblich schrieb!
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Interpretation
Das Gedicht "Wiegenliedchen" von Anna Louisa Karsch handelt von der kindlichen Phantasie und deren Einfluss auf das Erwachsenenalter. Die Autorin beschreibt ihre eigene Kindheit, in der sie sich mit Büchern und Schlachten beschäftigte, anstatt mit Spielen und Tänzen. Sie vergleicht ihre kindliche Phantasie mit der eines Generals, der Schlachten plant und durchführt. Die Autorin erkennt jedoch auch, dass diese kindliche Phantasie oft im Erwachsenenalter weiterbesteht und sich auf andere Bereiche auswirkt. Das Gedicht ist in vier Strophen unterteilt, die jeweils einen bestimmten Aspekt der kindlichen Phantasie beleuchten. In der ersten Strophe beschreibt die Autorin, wie sie sich von Spielen und Tänzen fernhielt und stattdessen Bücher las. In der zweiten Strophe vergleicht sie ihre kindliche Phantasie mit der eines Generals, der Schlachten plant und durchführt. In der dritten Strophe beschreibt sie, wie sie sich als Kind in Schlachten verlor und sich als Sieger fühlte. In der vierten Strophe erkennt die Autorin, dass diese kindliche Phantasie oft im Erwachsenenalter weiterbesteht und sich auf andere Bereiche auswirkt. Das Gedicht ist ein Beispiel für die kindliche Phantasie und deren Einfluss auf das Erwachsenenalter. Es zeigt, wie wichtig es ist, die kindliche Phantasie zu fördern und zu unterstützen, da sie oft im Erwachsenenalter weiterbesteht und sich auf andere Bereiche auswirkt. Das Gedicht ist auch ein Beispiel für die kindliche Phantasie und deren Einfluss auf das Erwachsenenalter. Es zeigt, wie wichtig es ist, die kindliche Phantasie zu fördern und zu unterstützen, da sie oft im Erwachsenenalter weiterbesteht und sich auf andere Bereiche auswirkt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Den 3ten September 1771
- Bildsprache
- Ich ging, auf selbst gebauten Wällen, Ließ sich mein Volk in Ordnung stellen Und that, als wie ein General
- Hyperbel
- Ich war ein Kind, und wie die Kinder Tun gar zu oft im Alter wir!
- Kontrast
- Mein Geist, zu stoisch und zu trocken, Ließ nie die Charten sich verlocken, Und hüpfte nie zu einem Tanz!
- Metapher
- Stolz dacht ich mich als Ueberwinder
- Personifikation
- O meine Phantasie ist heftig