Wiegenlied

Adolf Glaßbrenner

1778

Muhme Rehler hatt′ ′n Garten, Ach, ′n wunderschönen Garten! Und der war vergittert.

In dem Garten stand ein Baum, Ach, ein wunderschöner Baum! Der gibt Dir nicht Schatten.

Auf dem Baum, da war ein Zweig, Ach, ein wunderschöner Zweig! Dein sind nicht die Früchte.

Auf dem Zweig da war ein Nest, Ach, ein wunderschönes Nest! Nur für große Vögel.

In dem Nest, da lag ein Ei! Ach, ein wunderschönes Ei! Das ist Dein, mein Söhnchen.

In dem Ei, da steht geschrieben: Du sollst Deinen König lieben.

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Illustration zu Wiegenlied

Interpretation

Das Gedicht "Wiegenlied" von Adolf Glaßbrenner handelt von einem Garten, der einem Neffen gehört. Der Garten wird als wunderschön beschrieben und ist von einem Gitter umgeben, was auf eine gewisse Abgeschlossenheit und Exklusivität hindeutet. In diesem Garten steht ein Baum, der ebenfalls als wunderschön beschrieben wird. Allerdings gibt der Baum dem Kind keinen Schatten, was symbolisch für den Mangel an Schutz und Fürsorge stehen könnte. Auf dem Baum befindet sich ein Zweig, der ebenfalls als wunderschön beschrieben wird. Doch die Früchte des Zweigs gehören nicht dem Kind, was auf einen Mangel an Besitz und Reichtum hindeuten könnte. Auf dem Zweig befindet sich ein Nest, das als wunderschön beschrieben wird. Allerdings ist das Nest nur für große Vögel bestimmt, was auf eine soziale Hierarchie und Ausgrenzung hindeuten könnte. Im Nest befindet sich ein Ei, das als wunderschön beschrieben wird. Dieses Ei gehört dem Kind, was auf eine gewisse Zugehörigkeit und Verbundenheit hindeuten könnte. Im Ei steht geschrieben, dass das Kind seinen König lieben soll. Dies könnte als Aufforderung zur Treue und Unterordnung gegenüber der Obrigkeit interpretiert werden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Die Wiederholung von 'Ach, ein wunderschöner...' in den ersten vier Strophen
Ironie
Die Aussage 'Der gibt Dir nicht Schatten' und 'Dein sind nicht die Früchte' implizieren eine ironische Distanz zum Gelobten
Metapher
Der Garten, Baum, Zweig, Nest und Ei können als Metaphern für Stufen der Erziehung oder des Lebensweges gesehen werden
Reimschema
Das Gedicht folgt einem einfachen AABB-Reimschema
Symbolik
Das Ei symbolisiert das Kind und seine Zukunft