Wiegenlied für ein Mädchen
1819Schlummre Liebchen! bist noch klein, Weißt vom schönen Sonnenschein, Weißt vom Strahl des Mondenlichts, Und von Wald und Blumen nichts; Liebchen, schlummre, werde groß! Sollst es sehn auf meinem Schoß.
Sollst den Glanz des Himmels sehn, Und aus ihm die Sonne gehn Über Wiesen frisch und grün, Wo die blauen Veilchen blühn. Veilchen werden dann gepflückt, Du ans Mutterherz gedrückt.
Mir am Herzen, liebes Kind, Spielst du froh im Morgenwind. Über dir ist Jubelklang, Um dich her ist Lobgesang; Leise rauschen Baum und Fluss, Und du fühlst den Mutterkuss.
Liebchen, schlummre; wachs heran! Siehst in meinen Armen dann Auch der Abendsonne Glut; Siehst, wenn Feld und Aue ruht, Gold und Purpur überall, Beim Gesang der Nachtigall.
Unterm Nachtigallen-Lied Kommt der helle Mond, und sieht Mild herab auf dich und mich; Alle Blumen neigen sich; Und die Händchen falt′ ich dir: Kleiner Engel, Gott ist hier!
Gott ist hoch im Sternenglanz, Und im niedern Veilchenkranz; Ist, wo jener Vogel schlägt, Und, wo dieser Arm dich trägt. Sag′ in jedem Winkel dir: Liebes Mädchen: Gott ist hier!
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Interpretation
Das Gedicht "Wiegenlied für ein Mädchen" von Johann Georg Jacobi ist ein sanftes und liebevolles Schlaflied, das die tiefe Zuneigung der Mutter zu ihrem Kind ausdrückt. Der Text beschreibt die Unschuld und das begrenzte Verständnis des kleinen Mädchens für die Welt um sie herum. Die Mutter wünscht sich, dass das Kind in Ruhe schläft und heranwächst, um die Schönheit der Natur und des Lebens zu erleben. In den folgenden Strophen malt der Dichter ein idyllisches Bild der Natur, das das Kind in der Zukunft erleben wird. Die Sonne, der Mond, die Wiesen, die Blumen und die Nachtigall werden als Symbole für die Schönheit und Harmonie der Welt dargestellt. Die Mutter verspricht, ihr Kind inmitten dieser Pracht zu halten und zu beschützen, und betont die Freude und den Jubel, der das Kind umgibt. Das Gedicht endet mit einer religiösen Dimension, in der die Mutter ihrem Kind die Gegenwart Gottes in allem um sie herum versichert. Sie betont, dass Gott sowohl in den fernen Sternen als auch in den nahen Blumen und im Gesang der Nachtigall präsent ist. Die abschließenden Zeilen sind eine liebevolle Einladung an das Kind, die Allgegenwart Gottes in jedem Winkel der Welt zu erkennen und zu fühlen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Leise rauschen Baum und Fluss
- Anapher
- Schlummre Liebchen! bist noch klein, Weißt vom schönen Sonnenschein, Weißt vom Strahl des Mondenlichts, Und von Wald und Blumen nichts; Liebchen, schlummre, werde groß!
- Hyperbel
- Alle Blumen neigen sich
- Metapher
- Und aus ihm die Sonne gehn Über Wiesen frisch und grün
- Parallelismus
- Gott ist hoch im Sternenglanz, Und im niedern Veilchenkranz; Ist, wo jener Vogel schlägt, Und, wo dieser Arm dich trägt
- Personifikation
- Über dir ist Jubelklang, Um dich her ist Lobgesang
- Symbolik
- Gott ist hoch im Sternenglanz, Und im niedern Veilchenkranz