Wiedersehn

Joseph Christian von Zedlitz

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Rings öde Fläche, und der Horizont Durch nichts begränzt! Kein Ort, kein Wald, Auf dem der müde Blick vermocht’ zu ruhn! – Die sand’gen Hügel, die der Wind gehäuft, Vom Grase spärlich überwachsen, dehnen sich Wie eines Friedhofs alte Gräber aus, Unübersehbar, als ob drüberhin Der Pest grau’nvoller Todeshauch geweht Und die das Land bewohnt, sie lägen nun Gestorben und verwes’t in seinem Schooß, Gewürgt bis auf den Letzten! Trüber Anblick! – So liegst Du, Frist der Trennung, vor mir da, Wie diese Heide, leblos, wüst und leer, Und nichts, o Zeit, beschleunigt Deinen Gang, Und es beschwingt der Athem meiner Sehnsucht Dein träges Segel nicht durch’s todte Meer Einsamer Bangniß, thränenvollen Harms! – Dort glänzt ein Sonnenstrahl, ein einzelner, Und spielet golden auf dem Plätzchen Raum, Das er beleuchtet! – Wie es hellgrün lacht, Indeß der Nebel rings die Oede deckt! – O, traute Hoffnung, schönes Wiedersehn! Ich grüße Dich mit süßem Kuß der Sehnsucht, Mit aller Wehmuth, die mein Herz erfüllt! Sey mir gesegnet, wie Du fern auch liegst!

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Illustration zu Wiedersehn

Interpretation

Das Gedicht "Wiedersehn" von Joseph Christian von Zedlitz beschreibt die Sehnsucht und das Warten auf ein Wiedersehen mit einem geliebten Menschen. Die Natur wird als Metapher für die innere Gefühlswelt des lyrischen Ichs verwendet, wobei die öde und leblose Heide den Zustand der Trennung symbolisiert. Die erste Strophe malt ein Bild der Verlassenheit und des Todes, wobei die sandigen Hügel wie Gräber aussehen und der Horizont durch nichts begrenzt wird. Dies verdeutlicht die Hoffnungslosigkeit und die Endlosigkeit der Trennung. Die zweite Strophe setzt diese düstere Stimmung fort, indem sie die Zeit als träge und unerbittlich darstellt, die den Gang nicht beschleunigt. In der dritten Strophe bricht ein Sonnenstrahl durch die Düsternis und symbolisiert die Hoffnung auf das Wiedersehen. Die Hoffnung wird als "traute Hoffnung" und "schönes Wiedersehn" bezeichnet und mit einem süßen Kuss der Sehnsucht begrüßt. Trotz der Distanz wird die Hoffnung als gesegnet angesehen und die Sehnsucht bleibt bestehen, bis das Wiedersehen Wirklichkeit wird.

Schlüsselwörter

rings kein liegst sehnsucht öde fläche horizont begränzt

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Stilmittel

Apostrophe
O, traute Hoffnung, schönes Wiedersehn!
Gegenüberstellung
Wie es hellgrün lacht, indeß der Nebel rings die Oede deckt!
Hyperbel
Gewürgt bis auf den Letzten!
Metapher
Ich grüße Dich mit süßem Kuß der Sehnsucht, mit aller Wehmuth, die mein Herz erfüllt!
Personifikation
Der Pest grau'nvoller Todeshauch geweht
Vergleich
Die sand'gen Hügel, die der Wind gehäuft, vom Grase spärlich überwachsen, dehnen sich wie eines Friedhofs alte Gräber aus