Wie rafft ich mich auf in der Nacht
1820Wie rafft ich mich auf in der Nacht, in der Nacht, Und fühlte mich fürder gezogen, Die Gassen verließ ich, vom Wächter bewacht, Durchwandelte sacht In der Nacht, in der Nacht, Das Tor mit dem gotischen Bogen.
Der Mühlbach rauschte durch felsigen Schacht, Ich lehnte mich über die Brücke, Tief unter mir nahm ich der Wogen in Acht, Die wallten so sacht In der Nacht, in der Nacht, Doch wallte nicht Eine zurücke.
Es drehte sich oben, unzählig entfacht, Melodischer Wandel der Sterne, Mit ihnen der Mond in beruhigter Pracht, Sie funkelten sacht In der Nacht, in der Nacht, Durch täuschend entlegene Ferne.
Ich blickte hinauf in der Nacht, in der Nacht, Ich blickte hinunter aufs neue: O wehe, wie hast du die Tage verbracht! Nun stille du sacht In der Nacht, in der Nacht, Im pochenden Herzen die Reue!
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Interpretation
Das Gedicht "Wie rafft ich mich auf in der Nacht" von August von Platen handelt von einer nächtlichen Erlebniswelt, in der der lyrische Ich aufsteht und sich durch die Stadt bewegt. Die Nacht wird als ein Ort der Besinnung und Selbstreflexion dargestellt, an dem das Ich sich von den alltäglichen Zwängen befreit fühlt. Die Wiederholung des Satzes "in der Nacht" betont die Bedeutung der nächtlichen Stimmung und schafft eine rhythmische Struktur, die den Leser in die Atmosphäre des Gedichts eintauchen lässt. Die Beschreibung der nächtlichen Umgebung, wie der Mühlbach, der felsige Schacht und das gotische Tor, vermittelt eine romantische und mystische Stimmung. Die Natur wird als Spiegel der inneren Gefühle des Ichs dargestellt, wobei der Mühlbach und die Wogen als Metapher für den Fluss der Zeit und die Unaufhaltsamkeit des Lebens dienen. Die Wiederholung des Wortes "sacht" unterstreicht die sanfte und ruhige Atmosphäre der Nacht, die im Kontrast zu den inneren Turbulenzen des Ichs steht. Im letzten Vers des Gedichts wird die Stimmung von der äußeren Natur zur inneren Selbstreflexion gewandelt. Das Ich blickt nach oben zu den Sternen und dem Mond, was auf eine Suche nach Orientierung und Bedeutung hindeutet. Die Frage "O wehe, wie hast du die Tage verbracht!" offenbart ein Gefühl der Reue und Selbstkritik. Die Aufforderung, "stille zu sacht" im pochenden Herzen die Reue zu tragen, deutet auf eine innere Versöhnung und die Notwendigkeit hin, mit den eigenen Fehlern und Bedauern umzugehen. Das Gedicht endet mit einer Aufforderung zur Selbstreflexion und der Anerkennung der eigenen Vergangenheit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Tief unter mir nahm ich der Wogen in Acht
- Anapher
- Wie rafft ich mich auf in der Nacht, in der Nacht
- Metapher
- Der Mühlbach rauschte durch felsigen Schacht
- Parallelismus
- Ich blickte hinauf in der Nacht, in der Nacht, Ich blickte hinunter aufs neue
- Personifikation
- Der Mühlbach rauschte durch felsigen Schacht