Wie Kinder sind wir hilflos

Emmy Hennings

1948

Wie Kinder sind wir hilflos, die nicht wissen, Ob sie im Diesseits oder Jenseits gehen. Vor hohen Fenstern sieht man scheu uns stehen. Man scherzt mit uns. Doch schweigen wir beflissen.

Denn: wenn wir gingen - würde man uns missen? Und so beschleicht uns nur auf leisen Zehen Ein Heimweh, mit dem Sommer zu verwehen Und zu zerrinnen mit den Dämmernissen.

O, man war wohl besorgt, man war bemüht, Mit manchen Schätzen uns vertraut zu machen. Um unsere hellen Lippen aber zieht

Ein ängstlich Fremdsein. Unsere überwachen, Erstaunten Augen sind der Nähe müd. Auf weiter Fläche grüßen sie den Nachen…

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Wie Kinder sind wir hilflos

Interpretation

Das Gedicht "Wie Kinder sind wir hilflos" von Emmy Hennings beschreibt die existenzielle Verletzlichkeit und Sehnsucht des Menschen. Die Kindlichkeit wird als Metapher für die Hilflosigkeit und Unsicherheit des menschlichen Daseins verwendet. Die Menschen stehen wie Kinder vor hohen Fenstern und sind sich unsicher, ob sie sich im Diesseits oder Jenseits befinden. Trotz des Scherzens anderer bleiben sie still, weil sie sich fragen, ob man sie vermissen würde, wenn sie gingen. Das Gedicht vermittelt ein tiefes Gefühl von Heimweh und Sehnsucht nach einem Ort der Geborgenheit und Zugehörigkeit. Die Menschen sehnen sich danach, mit dem Sommer zu verwehen und sich mit den Dämmernissen zu zerrinnen, was eine Sehnsucht nach dem Vergehen und der Auflösung des Selbst ausdrückt. Obwohl man sich bemüht hat, ihnen Schätze zu zeigen und sie vertraut zu machen, bleibt ein ängstliches Fremdsein bestehen. Die überwachten und erstaunten Augen sind müde von der Nähe und suchen auf weiter Fläche nach einem Nachen, der sie vielleicht in ein neues, unbekanntes Land bringen könnte. Das Gedicht reflektiert die menschliche Existenz als eine Reise durch eine fremde und oft unverständliche Welt. Die Menschen sind wie Kinder, die unsicher sind und sich nach einem Ort des Ankommens sehnen. Die hohen Fenster symbolisieren die Barrieren und Grenzen, die das menschliche Dasein umgeben. Die Sehnsucht nach dem Vergehen und der Auflösung des Selbst deutet auf eine tiefe Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Zustand und eine Suche nach einer tieferen Bedeutung oder einem höheren Ziel hin.

Schlüsselwörter

kinder hilflos wissen diesseits jenseits gehen hohen fenstern

Wortwolke

Wortwolke zu Wie Kinder sind wir hilflos

Stilmittel

Hyperbel
Um unsere hellen Lippen aber zieht Ein ängstlich Fremdsein
Metapher
Vor hohen Fenstern sieht man scheu uns stehen
Personifikation
Und zu zerrinnen mit den Dämmernissen
Rhetorische Frage
Denn: wenn wir gingen - würde man uns missen?
Symbolik
Auf weiter Fläche grüßen sie den Nachen
Vergleich
Wie Kinder sind wir hilflos