Wie er wolle geküsset seyn
1640Nirgends hin, als auff den Mund da sinckts in deß Hertzens Grund. Nicht zu frey, nicht zu gezwungen nicht mit gar zu fauler Zungen.
Nicht zu wenig, nicht zu viel! Beydes wird sonst Kinderspiel. Nicht zu laut, und nicht zu leise Beyder Maß’ ist rechte Weise.
Nicht zu nahe, nicht zu weit. Dies macht Kummer, jenes Leid. Nicht zu trucken, nicht zu feuchte wie Adonis Venus reichte.
Nicht zu harte, nicht zu weich. Bald zugleich, bald nicht zugleich. Nicht zu langsam, nicht zu schnelle. Nicht ohn Unterscheid der Stelle.
Halb gebissen, halb gehaucht. Halb die Lippen eingetaucht. Nicht ohn Unterscheid der Zeiten. Mehr alleine denn bei Leuten.
Küsse nun ein Jedermann wie er weiß, will, soll und kan. Ich nur und die Liebste wissen wie wir uns recht sollen küssen.
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Interpretation
Das Gedicht "Wie er wolle geküsset seyn" von Paul Fleming beschreibt die Kunst des Küssens als eine feine Balance verschiedener Elemente. Der Dichter betont, dass ein Kuss weder zu frei noch zu erzwungen sein sollte, sondern in einem harmonischen Maß stattfinden muss. Er vergleicht dies mit dem richtigen Maß in anderen Lebensbereichen und hebt die Bedeutung von Ausgewogenheit hervor. Fleming geht weiter auf die Nuancen des Küssens ein, indem er Aspekte wie Nähe, Feuchtigkeit, Härte und Geschwindigkeit anspricht. Er verwendet Vergleiche wie Adonis und Venus, um die idealen Bedingungen für einen perfekten Kuss zu veranschaulichen. Die Wiederholung des Wortes "nicht" unterstreicht die Wichtigkeit, Extreme zu vermeiden und stattdessen einen Mittelweg zu finden. Im letzten Teil des Gedichts deutet Fleming an, dass jeder Mensch nach seiner eigenen Art küssen sollte, basierend auf seinem Wissen, Willen, Soll und Können. Er und seine Geliebte jedoch haben ihre eigene, einzigartige Art des Küssens gefunden, die nur sie beide verstehen und schätzen können. Dies betont die Intimität und die besondere Verbindung zwischen den beiden Liebenden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Nicht zu frey, nicht zu gezwungen nicht mit gar zu fauler Zungen. Nicht zu wenig, nicht zu viel! Beydes wird sonst Kinderspiel. Nicht zu laut, und nicht zu leise Beyder Maß' ist rechte Weise. Nicht zu nahe, nicht zu weit. Dies macht Kummer, jenes Leid. Nicht zu trucken, nicht zu feuchte wie Adonis Venus reichte. Nicht zu harte, nicht zu weich. Bald zugleich, bald nicht zugleich. Nicht zu langsam, nicht zu schnelle. Nicht ohn Unterscheid der Stelle. Halb gebissen, halb gehaucht. Halb die Lippen eingetaucht. Nicht ohn Unterscheid der Zeiten. Mehr alleine denn bei Leuten.
- Anapher
- Nicht zu frey, nicht zu gezwungen nicht mit gar zu fauler Zungen. Nicht zu wenig, nicht zu viel! Beydes wird sonst Kinderspiel. Nicht zu laut, und nicht zu leise Beyder Maß' ist rechte Weise. Nicht zu nahe, nicht zu weit. Dies macht Kummer, jenes Leid. Nicht zu trucken, nicht zu feuchte wie Adonis Venus reichte. Nicht zu harte, nicht zu weich. Bald zugleich, bald nicht zugleich. Nicht zu langsam, nicht zu schnelle. Nicht ohn Unterscheid der Stelle. Halb gebissen, halb gehaucht. Halb die Lippen eingetaucht. Nicht ohn Unterscheid der Zeiten. Mehr alleine denn bei Leuten.
- Metapher
- Da sinckts in deß Hertzens Grund
- Parallelismus
- Nicht zu frey, nicht zu gezwungen nicht mit gar zu fauler Zungen. Nicht zu wenig, nicht zu viel! Beydes wird sonst Kinderspiel. Nicht zu laut, und nicht zu leise Beyder Maß' ist rechte Weise. Nicht zu nahe, nicht zu weit. Dies macht Kummer, jenes Leid. Nicht zu trucken, nicht zu feuchte wie Adonis Venus reichte. Nicht zu harte, nicht zu weich. Bald zugleich, bald nicht zugleich. Nicht zu langsam, nicht zu schnelle. Nicht ohn Unterscheid der Stelle. Halb gebissen, halb gehaucht. Halb die Lippen eingetaucht. Nicht ohn Unterscheid der Zeiten. Mehr alleine denn bei Leuten.
- Vergleich
- wie Adonis Venus reichte