Wie der Hund knurren und bellen wollte

Adolf Glaßbrenner

1844

Solo. Ein Hund, der wollte bellen. Chor. Ein Hund, der wollte bellen. Solo. Bellen, knurren! Chor. Murren, blaffen! Ein Hund, der wollte bellen.

Solo. Der Hausherr wollt′s nicht dulden. Chor. Der Hausherr wollt′s nicht dulden. Solo. Dulden, leiden! Chor. Wollen, wißen! Der Hausherr wollt′s nicht dulden.

Solo. Canaille, bell′ gen Andre! Chor. Nicht gegen mich, gen Andre! Solo. Belle, blaffe Chor. Gegen Andre! Sonst halte deine Schnauze!

Solo. Er gab dem Hund den Maulkorb. Chor. Er gab dem Hund den Maulkorb. Solo. Maulkorb, Censur, Chor. Censur, Maulkorb, Er gab dem Hund den Maulkorb.

Solo. Dann ist das Thier gestorben. Chor. So gut, als wie gestorben. Solo. Gestorben, verschieden, Chor. Verrecket, crepiret, Dann ist das Thier gestorben.

Solo. Sie setzten ihm ein Denkmal. Chor. Natürlich wohl ein Denkmal. Solo. Denkmal, Monument, Chor. Grabstein, Leichenstein, Sie setzten ihm ein Denkmal.

Solo. Darauf da stand geschrieben, Chor. Darauf da stand geschrieben, Solo. Gekritzelt, geklieret, Chor. Gegraben, geschmieret, Darauf da stand geschrieben:

Der arme Hund, der ist nun todt, Den Hausherrn holt die Schwerenoth! Wir wollen′s ihm hiermit nur sagen, Daß wir nicht mehr den Maulkorb tragen!

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Illustration zu Wie der Hund knurren und bellen wollte

Interpretation

Das Gedicht "Wie der Hund knurren und bellen wollte" von Adolf Glasbrenner ist eine satirische Auseinandersetzung mit der Zensur und der Unterdrückung von freier Meinungsäußerung. Es verwendet die Metapher eines Hundes, der bellen und knurren möchte, aber vom Hausherrn mit einem Maulkorb zum Schweigen gebracht wird. Das Gedicht ist in Form eines Dialogs zwischen einem Solo-Sprecher und einem Chor aufgebaut, was eine Art Chorlied oder Singspiel nahelegt. Die Wiederholungen und die rhythmische Struktur verstärken den satirischen Charakter und machen das Gedicht fast wie eine Parodie auf ein ernsthaftes Thema klingen. Die Handlung beginnt mit dem Hund, der bellen möchte, was als Metapher für den Wunsch nach freier Meinungsäußerung steht. Der Hausherr, der dies nicht dulden will, gibt dem Hund einen Maulkorb, was die Zensur symbolisiert. Der Hund stirbt daraufhin, was als Kritik an den Auswirkungen der Unterdrückung von freier Rede interpretiert werden kann. Das Denkmal, das dem Hund gesetzt wird, und die darauf stehende Inschrift sind eine ironische Anspielung darauf, dass die Unterdrückung letztendlich zum Scheitern verurteilt ist und diejenigen, die sie ausüben, letztendlich bestraft werden.

Schlüsselwörter

solo chor hund maulkorb bellen dulden gestorben denkmal

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Solo. Denkmal, Monument,
Anapher
Ein Hund, der wollte bellen.
Antithese
Solo. Canaille, bell' gen Andre! Chor. Nicht gegen mich, gen Andre!
Chorische Variation
Solo. Der arme Hund, der ist nun todt, Chor. Den Hausherrn holt die Schwerenoth!
Chorische Wiederholung
Solo. Bellen, knurren! Chor. Murren, blaffen!
Hyperbel
Solo. Gestorben, verschieden, Chor. Verrecket, crepiret,
Ironie
Solo. Er gab dem Hund den Maulkorb.
Parallelismus
Solo. Dulden, leiden! Chor. Wollen, wißen!
Synästhesie
Solo. Gekritzelt, geklieret,