Wetterregeln des Bunten Vogels
1921(Meinem Vater und meiner Mutter.)
Januar An Fabian und Sebastian Geh in den Keller, dreh auf den Hahn.
Februar Wenn es um Lichtmeß stürmt und tobt, Sei Grogk und Punsch gleich hochgelobt.
März Gute Dinge sind Märzen-Ferkel und Märzen-Fohlen, Aber die meisten Märzlieder soll der Kuckuck holen.
April So lange die Dichter schweigen vor Georgi und Markustag So lange dichten sie hernach.
Mai Warmer Mai: Viel Stroh und Heu; Ein paar Gedichte sind auch dabei.
Juni Das erste Wetter brüllt, Die erste Rose lacht, Nun, bitt ich, Menschenkind, Ein klar Gesicht gemacht!
Juli Magdalene, Margarethe Weinen gern allebeede. Brauchst dir nichts daraus zu machen; Andre Mädel giebts, die lachen.
August Kräht der Dichter auf dem Mist, Nennt er sich feierlich Naturalist, Aber das Wetter bleibt doch, wies ist.
September An Mariä Geburt Fliegen die ersten Schwalben furt, Aber am Geburtstag der lieben Frau Werden auch die ersten Trauben blau.
Oktober Nach dem Tag Sankt Gall Bleib die Kuh im Stall, Nach dem Tag Lukas Bleib der Mann am Faß.
November Sankt Martin: Feuer im Kamin; Nun singe mit Luthern: Laß fahren dahin!
Dezember Eis hängt an den Weiden, So ists an der Zeit. Hat sichs ausgeschneit, Wirst du Palmen schneiden.
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Interpretation
Das Gedicht "Wetterregeln des Bunten Vogels" von Otto Julius Bierbaum ist eine humorvolle und ironische Auseinandersetzung mit den traditionellen Bauernregeln und Wetterweisheiten. Der Autor nimmt diese Regeln aufs Korn, indem er sie in einen poetischen Kontext stellt und ihnen eine neue, oft humorvolle Bedeutung verleiht. Das Gedicht ist in zwölf Strophen gegliedert, die jeweils einem Monat des Jahres gewidmet sind. Jede Strophe beginnt mit dem Namen des Monats und enthält eine oder mehrere Wetterregeln, die sich oft auf den Namenstag eines Heiligen beziehen. Die Regeln sind dabei oft sehr spezifisch und lokal begrenzt, was ihre Allgemeingültigkeit in Frage stellt. Bierbaum verwendet dabei eine einfache, aber prägnante Sprache, die den Charakter der Bauernregeln aufgreift. Die Reime sind oft unregelmäßig und die Verse haben unterschiedliche Längen, was dem Gedicht einen lebendigen und ungezwungenen Charakter verleiht. Der Autor spielt mit den Erwartungen des Lesers, indem er die Regeln oft in einen unerwarteten Kontext stellt oder ihnen eine neue, oft humorvolle Bedeutung verleiht. Insgesamt ist "Wetterregeln des Bunten Vogels" ein unterhaltsames und zugleich nachdenkliches Gedicht, das die traditionellen Bauernregeln auf humorvolle Weise hinterfragt und ihnen eine neue, poetische Bedeutung verleiht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Magdalene, Margarethe
- Bildsprache
- Eis hängt an den Weiden, So ists an der Zeit
- Hyperbel
- Gute Dinge sind Märzen-Ferkel und Märzen-Fohlen
- Ironie
- Kräht der Dichter auf dem Mist, Nennt er sich feierlich Naturalist, Aber das Wetter bleibt doch, wies ist
- Kontrast
- Eis hängt an den Weiden, So ists an der Zeit. Hat sichs ausgeschneit, Wirst du Palmen schneiden
- Metapher
- Nun singe mit Luthern: Laß fahren dahin
- Personifikation
- Feuer im Kamin
- Reimschema
- Februar - Wenn es um Lichtmeß stürmt und tobt, Sei Grogk und Punsch gleich hochgelobt
- Symbolik
- Nach dem Tag Lukas Bleib der Mann am Faß