Wer sleht den lewen?
1930Wer sleht den lewen? wer sleht den risen? wer überwindet jenen unt disen? daz tuot einer der sich selber twinget und alliu sîniu lit in huote bringet ûz der wilde in stæter zühte habe. geligeniu zuht und schame vor gesten mugen wol eine wîle erglesten: der schîn nimt drâte ûf unt abe.
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Interpretation
Das Gedicht "Wer sleht den lewen?" von Walther von der Vogelweide handelt von der menschlichen Selbstbeherrschung und der Überwindung innerer Konflikte. Der Löwe und der Adler stehen symbolisch für die wilden und unbezähmbaren Kräfte in uns, die es zu zähmen gilt. Der Sprecher fragt, wer diese mächtigen Tiere bezwingen kann, und antwortet, dass es derjenige ist, der sich selbst zügelt und seine Triebe unter Kontrolle bringt. Die zweite Strophe verdeutlicht, dass Selbstdisziplin und Scham vor Gott zwar eine Weile währen können, aber letztendlich der Schein und die äußere Erscheinung die Oberhand gewinnen. Dies deutet auf die Vergänglichkeit menschlicher Tugenden hin und darauf, dass es eine ständige Anstrengung erfordert, die innere Stärke zu bewahren. Das Gedicht reflektiert die mittelalterliche Vorstellung von der ständigen Auseinandersetzung zwischen Vernunft und Leidenschaft im Menschen. Walther von der Vogelweide nutzt die Metapher der wilden Tiere, um die menschliche Natur zu beschreiben. Die Zähmung des Löwen und des Adlers symbolisiert die Beherrschung der eigenen Leidenschaften und Begierden. Der letzte Vers, "der schîn nimt drâte ûf unt abe", legt nahe, dass trotz aller Bemühungen die äußere Erscheinung und der Schein am Ende siegen. Dies könnte als eine resignative Einsicht in die menschliche Schwäche interpretiert werden, die zeigt, dass wahre Selbstbeherrschung ein ständiger Kampf ist, der nie vollständig gewonnen werden kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- schîn nimt drâte ûf unt abe
- Bildsprache
- geligeniu zuht und schame vor gesten
- Frage
- Wer sleht den lewen? wer sleht den risen?
- Hyperbel
- und alliu sîniu lit in huote bringet
- Kontrast
- ûz der wilde in stæter zühte habe
- Metapher
- den lewen, den risen
- Parallelismus
- wer sleht den lewen? wer sleht den risen?
- Personifikation
- der sich selber twinget