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Wenn ich auf dem Lager

Von

Wenn ich auf dem Lager liege,
In Nacht und Kissen gehüllt,
So schwebt mir vor ein süßes,
Anmutig liebes Bild.

Wenn mir der stille Schlummer
Geschlossen die Augen kaum,
So schleicht das Bild sich leise
Hinein in meinen Traum.

Doch mit dem Traum des Morgens
Zerinnt es nimmermehr;
Dann trag ich es im Herzen
Den ganzen Tag umher.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Wenn ich auf dem Lager von Heinrich Heine

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Wenn ich auf dem Lager“ von Heinrich Heine zeichnet ein intimes Porträt der Erinnerung und der Sehnsucht. Es beschreibt die unaufhaltsame Präsenz eines geliebten Bildes, das den Dichter in seinen Träumen und durch den gesamten Tag begleitet. Die schlichte Sprache und die sanften Bilder erzeugen eine Atmosphäre der Zärtlichkeit und Melancholie, die typisch für Heines Lyrik ist.

Der erste Teil des Gedichts etabliert die Szenerie der Nacht und des Bettes. Das lyrische Ich, „auf dem Lager liegend“, wird in die Dunkelheit und die Geborgenheit der Kissen gehüllt. In dieser abgeschirmten Welt schwebt ihm ein „süßes, / Anmutig liebes Bild“ vor. Die Verwendung von Adjektiven wie „süß“ und „anmutig“ deutet auf eine positive, fast verklärende Erinnerung hin. Die Atmosphäre ist von Ruhe und Stille geprägt, was die Intensität der inneren Erfahrung des Dichters unterstreicht.

Der zweite Teil des Gedichts verlagert sich in den Bereich des Traumes. Sobald der Dichter „die Augen kaum“ geschlossen hat, schleicht sich das Bild „leise / Hinein in meinen Traum“. Dieser Übergang unterstreicht die Macht der Erinnerung, die selbst im Schlaf nicht nachlässt. Das Bild wird zu einem festen Bestandteil der Traumwelt, was die tiefe emotionale Bindung des Dichters an dieses Bildnis verdeutlicht.

Das Gedicht gipfelt im dritten Teil in der Behauptung der bleibenden Präsenz des Bildes. Im Gegensatz zu flüchtigen Träumen „zerinnt es nimmermehr“ mit dem Erwachen am Morgen. Stattdessen wird es „im Herzen“ getragen, den ganzen Tag hindurch. Dies ist die stärkste Aussage des Gedichts: Die Erinnerung an die geliebte Person, verkörpert durch das „süße, / Anmutig liebes Bild“, ist nicht nur ein flüchtiger Traum, sondern eine konstante Begleitung im Alltag. Die Liebe, die Sehnsucht und die Erinnerung verschmelzen zu einer untrennbaren Einheit.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.