Wem ein Seufzer fiel in den Schoß

Max Dauthendey

1892

Der Tag legt endlich die Krone ab, Groß und mächtig wächst jeder Baum; Sehnsucht tritt an der Wipfel Saum, Und Seufzer fallen von Wolken herab. Die Blätter hängen wie Stein bei Stein, Nachtwinde schläfern die Erde ein. Wem ein Seufzer fiel in den Schoß, Den lassen die Tränen nicht mehr allein, Den läßt die Dunkelheit nicht mehr los, Dem wandern die Füße rastlos fort, Sein Mund spricht manches begrabene Wort, Die Nacht hängt als Schleppe an seinem Kleid, Bis ihn ein Herz von dem Seufzer befreit.

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Illustration zu Wem ein Seufzer fiel in den Schoß

Interpretation

Das Gedicht "Wem ein Seufzer fiel in den Schoß" von Max Dauthendey handelt von der tiefen Sehnsucht und dem Schmerz, der einen Menschen ergreifen kann. Der Tag endet, und die Natur bereitet sich auf die Nacht vor. Die Bäume wachsen mächtig, und die Sehnsucht breitet sich am Rand der Baumwipfel aus. Seufzer fallen von den Wolken herab, und die Blätter hängen schwer wie Steine. Die Nacht bedeckt die Erde mit einem sanften Schlaf. Der Dichter beschreibt, wie ein Seufzer in den Schoß eines Menschen fällt und ihn nicht mehr loslässt. Dieser Mensch wird von Tränen und Dunkelheit umgeben und wandert rastlos umher. Sein Mund spricht Worte aus, die begraben waren, und die Nacht hängt wie ein Schlepp an seinem Kleid. Erst ein Herz, das den Seufzer befreit, kann ihn von diesem Schmerz erlösen. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung von tiefer Melancholie und Einsamkeit. Es zeigt, wie ein einziger Seufzer eine Person in einen Zustand der Verzweiflung versetzen kann. Die Natur wird als Spiegelbild dieser inneren Unruhe dargestellt, wobei der Übergang vom Tag zur Nacht die Veränderung des Gemütszustandes symbolisiert.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
[Groß und mächtig wächst jeder Baum Die Blätter hängen wie Stein bei Stein]
Hyperbel
[Groß und mächtig wächst jeder Baum]
Metapher
[Der Tag legt endlich die Krone ab Sehnsucht tritt an der Wipfel Saum Die Nacht hängt als Schleppe an seinem Kleid]
Personifikation
[Der Tag legt endlich die Krone ab Sehnsucht tritt an der Wipfel Saum Seufzer fallen von Wolken herab Nachtwinde schläfern die Erde ein]
Symbolik
[Die Nacht hängt als Schleppe an seinem Kleid]
Vergleich
[Die Blätter hängen wie Stein bei Stein]