Weltlauf

Joseph Christian von Zedlitz

1790

Auf der Straße trifft mich ein alter Bekannter, Der ruft und flüstert leise zu mir: »Mein Bester, der Affe ist nun Gesandter, Der Affe ist nun ein großes Thier!« –

»»Laß mich mit dem Affen ungeschoren! Was gehn mich Eure Bestien an? Mit langen Schwänzen und hohen Ohren Ist man drum noch kein rechter Mann!«« –

»So schweigt doch! sprecht nicht in solchem Tone! Der Affe ist ein hämisch Thier; Der macht sich wenig aus Eurem Hohne, Denn, lieber Freund, was seyd denn Ihr?« –

»»Daß ich bin in solchen Tagen, Hat immer mich zumeist erfreut: Wenn Thiere hohe Würden tragen, Dann, Bester, ist nicht meine Zeit!«« –

»Der Affe wird vielleicht noch Kater, Trägt Stern und Orden, bedenkt das doch!« – »»Sie machten den Affen zum Gott Vater, Lebte nicht der alte Gott Vater noch!««

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Illustration zu Weltlauf

Interpretation

Das Gedicht "Weltlauf" von Joseph Christian von Zedlitz behandelt auf satirische Weise den Aufstieg ungeeigneter Personen in höhere gesellschaftliche Positionen. Es zeigt ein Gespräch zwischen dem lyrischen Ich und einem Bekannten, der über den Aufstieg eines Affen zum Gesandten berichtet. Der Bekannte versucht, den Erzähler von der Bedeutung dieses Ereignisses zu überzeugen, doch dieser bleibt unbeeindruckt und betont, dass äußere Merkmale wie Schwänze und Ohren nicht über den Wert eines Menschen entscheiden. Der Erzähler weist die Bedenken des Bekannten zurück und argumentiert, dass selbst wenn Tiere hohe Ämter bekleiden, dies seine eigene Zeit nicht mindert. Er behauptet, dass solange der "alte Gott Vater" existiert, die Welt noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass Tiere göttliche Positionen einnehmen könnten. Dies deutet auf eine Kritik an der gesellschaftlichen Entwicklung hin, in der ungeeignete Personen zu Macht gelangen. Die Stimmung des Gedichts ist ironisch und resignativ. Der Erzähler scheint die Absurdität der Situation zu erkennen, aber auch eine gewisse Gelassenheit zu bewahren. Er akzeptiert, dass die Welt sich verändert, aber behauptet gleichzeitig seine eigene Integrität und den Wert seiner Zeit. Das Gedicht spiegelt somit eine Kritik an der gesellschaftlichen Entwicklung wider, in der ungeeignete Personen zu Macht gelangen, aber auch eine gewisse Resignation gegenüber diesen Entwicklungen.

Schlüsselwörter

affe bester thier affen gott vater straße trifft

Wortwolke

Wortwolke zu Weltlauf

Stilmittel

Hyperbel
Sie machten den Affen zum Gott Vater
Ironie
Der Affe ist nun ein großes Thier
Kontrast
Wenn Thiere hohe Würden tragen, Dann, Bester, ist nicht meine Zeit
Personifikation
Der Affe ist nun Gesandter
Rhetorische Frage
Denn, lieber Freund, was seyd denn Ihr?