Weltende

Else Lasker-Schüler

1905

Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär, und der bleierne Schatten, der niederfällt, lastet grabesschwer.

Komm, wir wollen uns näher verbergen… Das Leben liegt in aller Herzen wie in Särgen.

Du, wir wollen uns tief küssen - es pocht eine Sehnsucht an die Welt, an der wir sterben müssen.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Weltende

Interpretation

Das Gedicht "Weltende" von Else Lasker-Schüler beschreibt eine düstere, von Trauer und Verzweiflung geprägte Stimmung. Der Titel "Weltende" deutet auf das Ende einer Epoche oder gar das Ende der Welt hin. Die erste Strophe vermittelt ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Schwere. Es wird ein Weinen in der Welt beschrieben, als ob Gott gestorben wäre. Der "bleierne Schatten" lastet "grabesschwer" auf der Welt und symbolisiert die tiefe Trauer und das Gefühl des Verlusts. In der zweiten Strophe wird die Suche nach Nähe und Geborgenheit inmitten des Leids thematisiert. Der Sprecher fordert seinen Partner auf, sich ihm näher zu verbergen, da das Leben in allen Herzen wie in Särgen liege. Diese Metapher verdeutlicht die Erstarrung und den Stillstand, der in der Welt herrscht. Die Menschen sind wie in Särgen gefangen und können sich nicht mehr frei entfalten. Die letzte Strophe zeigt den Wunsch nach einem letzten Moment der Leidenschaft und Intimität vor dem unausweichlichen Ende. Der Sprecher bittet seinen Partner, ihn tief zu küssen, da eine Sehnsucht an die Welt pocht, an der sie sterben müssen. Diese Sehnsucht kann als der Wunsch nach Leben, Liebe und Glück interpretiert werden, der angesichts des bevorstehenden Weltendes umso dringlicher wird. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Resignation und der Akzeptanz des unvermeidlichen Schicksals.

Schlüsselwörter

welt wollen weinen liebe gott gestorben wär bleierne

Wortwolke

Wortwolke zu Weltende

Stilmittel

Alliteration
[wollen wir uns näher verbergen Leben liegt in aller Herzen]
Metapher
[Es ist ein Weinen in der Welt als ob der liebe Gott gestorben wär der bleierne Schatten, der niederfällt lastet grabesschwer Das Leben liegt in aller Herzen wie in Särgen es pocht eine Sehnsucht an die Welt]
Personifikation
[es pocht eine Sehnsucht an die Welt]
Vergleich
[als ob der liebe Gott gestorben wär wie in Särgen]