Welcher Frevel...
1861Welcher Frevel, Freund! Abtrünnig Wirst du deiner fetten Hanne, Und du liebst jetzt jene spinnig Dürre, magre Marianne!
Läßt man sich vom Fleische locken, Das ist immer noch verzeihlich; Aber Buhlschaft mit den Knochen, Diese Sünde ist abscheulich!
Das ist Satans böse Tücke, Er verwirret unsre Sinne: Wir verlassen eine Dicke, Und wir nehmen eine Dünne!
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Interpretation
Das Gedicht "Welcher Frevel..." von Heinrich Heine handelt von einer moralischen Verurteilung des Wechsels von einer fülligen zur mager erscheinenden Partnerin. Der Sprecher zeigt sich schockiert über den Verrat an "fetten Hanne" zugunsten von "spinnig Dürre, magre Marianne". Die Wortwahl wie "Frevel" und "abtrünnig" unterstreicht die Empörung über diese Entscheidung. Im zweiten Teil des Gedichts differenziert der Sprecher zwischen zwei Arten von Sünde. Während er sexuelle Verlockungen durch das "Fleisch" noch als "verzeihlich" ansieht, verurteilt er eine "Buhlschaft mit den Knochen" als besonders "abscheulich". Hier wird die extreme Magerkeit der neuen Partnerin mit Skeletthaftigkeit gleichgesetzt und damit als besonders unmoralisch dargestellt. Der letzte Teil führt die Kritik auf eine übernatürliche Ebene. Der Sprecher macht "Satans böse Tücke" für diese Verwirrung der Sinne verantwortlich. Das Gedicht endet mit einer Zusammenfassung der Situation: der Wechsel von einer "Dicken" zu einer "Dünne" wird als besonders verwerflich dargestellt. Heine nutzt hier eine übertriebene moralische Empörung, um die Absurdität von Vorurteilen gegenüber Körpergrößen zu verdeutlichen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Welcher Frevel, Freund! Abtrünnig
- Kontrast
- fetten Hanne / spinnig Dürre, magre Marianne
- Metapher
- Buhlschaft mit den Knochen
- Parallelismus
- Wir verlassen eine Dicke, Und wir nehmen eine Dünne
- Personifikation
- Satans böse Tücke