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Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte

Von

Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte
ins Haar, das leis ein weher Wind bewegt –
Siehst du den Mond, wie eine silberechte
Merkmünze, und ein Bild ist eingeprägt:
ein Weib, das lächelnd dunkle Dornen trägt –
Das ist das Zeichen toter Liebesnächte.

Fühlst du die Rosen auf der Stirne sterben?
Und jede läßt die Schwester schauernd los
und muß allein verdarben und verderben,
und alle fallen fahl in deinen Schooß.
Dort sind sie tot. Ihr Leid war leis und groß.
Komm in die Nacht. Und wir sind Rosenerben.

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Gedicht: Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte von Rainer Maria Rilke

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Weißt du, dass ich dir müde Rosen flechte“ von Rainer Maria Rilke ist eine melancholische Reflexion über das Vergehen der Liebe und die Vergänglichkeit. Es zeichnet sich durch eine gedämpfte, fast resignierte Stimmung aus, die durch die Wahl von Bildern wie „müde Rosen“, „weher Wind“ und „silberechte Merkmünze“ erzeugt wird. Die Metaphern und der Rhythmus des Gedichts erzeugen ein Gefühl der Trauer und des Abschieds.

Das zentrale Bild des Gedichts ist das Flechten von Rosen ins Haar der Geliebten. Diese Rosen, die „müde“ sind, symbolisieren die nachlassende Kraft und Schönheit der Liebe. Die Beschreibung des Haares, das vom „wehen Wind“ bewegt wird, unterstreicht die Fragilität und Unbeständigkeit des Moments. Die „silberechte Merkmünze“, die den Mond beschreibt, trägt das Bild eines lächelnden Weibes mit dunklen Dornen, was auf das Leid und die Schmerzen hinweist, die mit der Liebe einhergehen. Dieses Bild dient als „Zeichen toter Liebesnächte“.

Die zweite Strophe vertieft das Thema der Vergänglichkeit. Das Gefühl des Sterbens der Rosen auf der Stirn der Geliebten wird mit einer sanften, aber unaufhaltsamen Melancholie verbunden. Die Rosen fallen in ihren Schoß, wo sie sterben, was die Endgültigkeit des Verlustes und die Auflösung der Liebe verdeutlicht. Der Ausdruck „Ihr Leid war leis und groß“ deutet auf eine tiefe, stille Trauer hin, die über die offensichtliche Bedeutung des Gedichts hinausgeht.

Der letzte Vers, „Komm in die Nacht. Und wir sind Rosenerben“, nimmt eine merkwürdige Position ein. Einerseits könnte es als eine Aufforderung zur Akzeptanz des Unvermeidlichen, zur Hingabe an das Dunkle und Unbekannte interpretiert werden. Andererseits könnte es eine Art von Trost in der gemeinsamen Trauer und im Vermächtnis der Liebe bedeuten. Die „Rosenerben“ erben die Erinnerungen und das Leid, die die Liebe hinterlassen hat. Das Gedicht vermittelt ein Gefühl der Akzeptanz von Verlust und Vergänglichkeit, jedoch ohne bittere Verzweiflung. Es ist ein stilles Abschiednehmen von einer Liebe, die ihre Schönheit und Kraft verloren hat.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.