Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte
1913Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte ins Haar, das leis ein weher Wind bewegt - Siehst du den Mond, wie eine silberechte Merkmünze, und ein Bild ist eingeprägt: ein Weib, das lächelnd dunkle Dornen trägt - Das ist das Zeichen toter Liebesnächte.
Fühlst du die Rosen auf der Stirne sterben? Und jede läßt die Schwester schauernd los und muß allein verdarben und verderben, und alle fallen fahl in deinen Schooß. Dort sind sie tot. Ihr Leid war leis und groß. Komm in die Nacht. Und wir sind Rosenerben.
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Interpretation
Das Gedicht "Weißt du, daß ich dir müde Rosen flechte" von Rainer Maria Rilke thematisiert die Vergänglichkeit der Liebe und die damit verbundenen Schmerzen. Die müden Rosen, die der lyrische Ich in das Haar der Geliebten flechtet, symbolisieren die erschöpfte und welkende Liebe. Der Mond, der wie eine Münze mit dem Bild einer lächelnden Frau, die dunkle Dornen trägt, geprägt ist, steht für die Erinnerung an vergangene Liebesnächte, die von Schmerz und Leiden begleitet waren. Die zweite Strophe verdeutlicht den langsamen Tod der Rosen und somit das Ende der Liebe. Jede Rose lässt die Schwester fallen und muss allein verdorren und verderben. Die Rosen fallen fahl in den Schoß der Geliebten, wo sie tot sind. Ihr Leid war leise und groß, was die unterschwellige Tragik der Situation unterstreicht. Die Liebe ist verblasst und die Rosen, die einst für Schönheit und Leidenschaft standen, sind nun zu Symbolen des Verfalls und des Todes geworden. In der letzten Zeile des Gedichts fordert der lyrische Ich die Geliebte auf, in die Nacht zu kommen, da sie nun die Erben der Rosen sind. Dies kann als Aufforderung verstanden werden, die Vergänglichkeit der Liebe zu akzeptieren und gemeinsam in eine neue Phase des Lebens einzutreten. Die Nacht könnte dabei als Symbol für die Dunkelheit und das Unbekannte stehen, das nach dem Ende der Liebe bevorsteht. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung und thematisiert die Vergänglichkeit und den Schmerz, der mit der Liebe einhergehen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- jedoch allein verdarben und verderben
- Bildsprache
- Fühlst du die Rosen auf der Stirne sterben?
- Kontrast
- Ihr Leid war leis und groß
- Metapher
- Komm in die Nacht. Und wir sind Rosenerben.
- Personifikation
- ein Weib, das lächelnd dunkle Dornen trägt
- Symbolik
- das Zeichen toter Liebesnächte
- Vergleich
- wie eine silberechte Merkmünze