Weisse Nelken

Lisa Baumfeld

1895

Du weiche, duftig-schwüle Blüte, So seltsam nah mir und vertraut, Als ob ein Hauch mir im Gemüthe Wie Wehen deines Athems thaut′!

Dein Hauch ist drängend heisses Quälen, Wie es mich selbst so wirr durchbebt … … Kennst du die Mär der Kinderseelen - Der Seele, die in Blumen lebt. -

Und die, erwacht zu Daseinsschmerzen, Noch Blütenodem mit sich bringt, Dass es ihr oft im tiefsten Herzen Wie duftiges Erinnern klingt …?

Wenn ich dich schau′ … in halbem Bangen Denk′ ich der schaurig-süssen Mär … Hab′ ich von dir das Glutverlangen Von dir die kranke Seele her …?

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Illustration zu Weisse Nelken

Interpretation

Das Gedicht "Weisse Nelken" von Lisa Baumfeld handelt von einer intensiven emotionalen Verbindung zwischen der Sprecherin und einer weißen Nelke. Die Blüte wird als weich, duftig-schwül und vertraut beschrieben, als ob ihr Atem die Seele der Sprecherin berührt. Der Hauch der Nelke wird als drängendes, heißes Quälen empfunden, das die Sprecherin verwirrt durchbebt. Die Sprecherin fragt sich, ob die Nelke die Geschichte der Kinderseelen kennt, deren Seele in Blumen lebt und die, erwacht zu Daseinsschmerzen, noch den Duft von Blüten in sich trägt. Die Sprecherin assoziiert die Nelke mit einer schaurig-süßen Mär von Seelen, die in Blumen leben. Sie fühlt sich von der Nelke angezogen und fragt sich, ob sie von ihr das glühende Verlangen und die kranke Seele geerbt hat. Die Nelke wird zu einem Symbol für die tiefe Sehnsucht und das Leiden der Sprecherin, das mit der Unschuld und Reinheit der Kinderseelen verwoben ist. Die weiße Nelke verkörpert sowohl Schönheit als auch Schmerz, und die Sprecherin fühlt sich von ihr angezogen und gleichzeitig beunruhigt.

Schlüsselwörter

hauch mär seele weiche duftig schwüle blüte seltsam

Wortwolke

Wortwolke zu Weisse Nelken

Stilmittel

Alliteration
Kennst du die Mär der Kinderseelen
Anapher
Und die, erwacht zu Daseinsschmerzen, Noch Blütenodem mit sich bringt
Enjambement
Wenn ich dich schau′ ... in halbem Bangen Denk′ ich der schaurig-süssen Mär ... Hab′ ich von dir das Glutverlangen Von dir die kranke Seele her ...?
Hyperbel
Von dir die kranke Seele her
Metapher
Dein Hauch ist drängend heisses Quälen
Personifikation
Als ob ein Hauch mir im Gemüthe Wie Wehen deines Athems thaut′!
Vergleich
So seltsam nah mir und vertraut