Weiser Vorsatz
1866Ich will nicht dein gedenken, Sollst nicht mehr bei mir sein In allem meinem Denken, In meinem ganzen Sein.
Die Rose wird gepflücket Vom Sturm, an einem Tag, Den Felsen selbst zerstücket Ein einz′ger Donnerschlag.
So will ich′s auch erringen, Dem Alles ist geweiht - Schnell soll dies Herz erzwingen Sich die Vergeßlichkeit!
Nicht, wie ja Alles müde Zu Grabe endlich schwankt, Nein, wie die Ros′ verblühte, Und wie der Felsen wankt.
So flieh mit Schlage Du Leid, so herb gesinnt, Dich tödt′ an Tage, Vernunft, der rauhe Wind!
Umsonst, umsonst ihr Mühen, Es trotzt ihr jede Stund - Nie wird des Herzens Glühen Besiegt vom weisen Mund!
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Interpretation
Das Gedicht "Weiser Vorsatz" von Luise Büchner handelt von dem Versuch, einen geliebten Menschen zu vergessen und das Herz von seiner Liebe zu befreien. Die lyrische Ich-Person beschließt, nicht mehr an die vergangene Liebe zu denken und sie aus ihrem gesamten Sein zu verbannen. In den zweiten und dritten Strophen werden Metaphern verwendet, um die gewünschte Schnelligkeit und Entschlossenheit beim Vergessen zu verdeutlichen. Die Rose wird vom Sturm gepflückt, der Felsen durch einen Donnerschlag zersplittert - so will auch das lyrische Ich schnell die Vergesslichkeit erzwingen und den geliebten Menschen aus seinem Herzen verbannen. Die vierte Strophe betont den Unterschied zwischen einem langsamen, müden Vergessen und dem gewünschten schnellen Vergessen. Die lyrische Ich-Person möchte nicht wie alles andere müde zu Grabe schwanken, sondern wie die verblühte Rose und der wankende Felsen schnell und entschlossen die vergangene Liebe vergessen. In den letzten beiden Strophen wird deutlich, dass der Versuch des Vergessens letztendlich scheitert. Trotz aller Mühen und Anstrengungen, das Herz von seiner Liebe zu befreien, trotzt das Herz jeder Stunde und lässt sich nicht vom "weisen Mund" besiegen. Das lyrische Ich muss erkennen, dass die Liebe und das Glühen des Herzens stärker sind als der Wille zum Vergessen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Du Leid, so herb gesinnt
- Bildsprache
- Die Rose wird gepflücket / Vom Sturm, an einem Tag, / Den Felsen selbst zerstücket / Ein einz'ger Donnerschlag
- Hyperbel
- Schnell soll dies Herz erzwingen / Sich die Vergeßlichkeit
- Kontrast
- Nicht, wie ja Alles müde / Zu Grabe endlich schwankt, / Nein, wie die Ros' verblühte, / Und wie der Felsen wankt
- Metapher
- Die Rose wird gepflücket / Vom Sturm, an einem Tag
- Personifikation
- Vernunft, der rauhe Wind
- Vergleich
- Nicht, wie ja Alles müde / Zu Grabe endlich schwankt, / Nein, wie die Ros' verblühte, / Und wie der Felsen wankt