Weise des Dichters

Friedrich Schlegel

1772

Wie tief im Waldesdunkel Winde rauschen, Ihr Lied dazwischen Nachtigallen schlagen, Der muntre Vogel singt in Frühlingstagen, Daß wir dem fernen Ruf bezaubert lauschen;

So seht ihr hier jedwede Weise tauschen, Betrachtung, linde Seufzer, tiefe Klagen, Der Scherze Lust, der Liebe kühnes Wagen, Und was den Seher göttlich mag berauschen.

Anklänge aus der Sehnsucht alten Reichen Sind es, die bald sich spielend offenbaren, Uns ihr Geheimnis bald mit Ernst verkünden;

Sinnbilder, leise, des gefühlten Wahren, Des nahen Frühlings stille Hoffnungszeichen, Die schon in helle Flammen sich entzünden.

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Interpretation

Das Gedicht "Weise des Dichters" von Friedrich Schlegel vergleicht die Vielfalt der poetischen Ausdrucksformen mit den Klängen der Natur. Wie im Wald der Wind rauscht und die Nachtigallen singen, so erklingen im Gedicht verschiedene Töne: Betrachtung, Seufzer, Klagen, Scherz und Liebeswagnis. Diese "Weisen" stehen stellvertretend für die unterschiedlichen Facetten des poetischen Schaffens. Der Dichter versteht sich als Seher, der göttlich berauscht ist von der Schönheit und Wahrheit, die er in seiner Lyrik zu fassen sucht. Die Anklänge aus der "Sehnsucht alten Reichen" lassen sich als Verweise auf die klassische Antike und die Romantik deuten. Der Dichter schöpft aus diesen Quellen und lässt sie spielerisch oder ernsthaft in seinen Versen aufscheinen. Die "Sinnbilder" und "Hoffnungszeichen" des nahenden Frühlings symbolisieren die erhoffte Erneuerung und Verjüngung der Poesie. Die "hellen Flammen" am Ende des Gedichts stehen für die Leidenschaft und Intensität, mit der der Dichter sein lyrisches Werk entfacht. Insgesamt preist Schlegel die Vielgestaltigkeit und Erneuerungskraft der Dichtung.

Schlüsselwörter

bald tief waldesdunkel winde rauschen lied dazwischen nachtigallen

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Stilmittel

Alliteration
Betrachtung, linde Seufzer, tiefe Klagen
Bildsprache
Des nahen Frühlings stille Hoffnungszeichen
Enjambement
Anklänge aus der Sehnsucht alten Reichen Sind es, die bald sich spielend offenbaren
Hyperbel
Und was den Seher göttlich mag berauschen
Kontrast
Der Scherze Lust, der Liebe kühnes Wagen
Metapher
Wie tief im Waldesdunkel Winde rauschen
Personifikation
Der muntre Vogel singt in Frühlingstagen
Symbolik
Anklänge aus der Sehnsucht alten Reichen
Vergleich
So seht ihr hier jedwede Weise tauschen