Weinsberg
1909Von Weinsberg sind der Sagen Der Wunder viel erzählt, Aus längstverklungnen Tagen, Mit Sang und Klang vermählt.
Das Lied der Weibertreue Erklingt von Mund zu Mund, Daß sich im Lied erneue Die Treu zu jeder Stund.
Und daß einmal verblichen Ein lustiger Geiger war, Der noch sein Lied gestrichen An seiner Totenbahr.
Von Jubel und von Festen, Von minniglichem Sang Erzählten schon die Besten In hohem Liederklang.
Doch ist in unsern Tagen Wol auch noch Manches wert, Daß es, emporgetragen Im Liede, sei verklärt.
Es steht in jenen Ein grünumlaubtes Haus, Da weht mit goldnen Flügeln Ein Zauber ein und aus.
Da tönt durch stille Räume Ein wunderbarer Klang — Es ist, als ob man träume Von himmlischem Gesang.
Das Häuschen schmiegt sich helle An Rebenhügel an, So wie auf grüner Welle Sich wiegt ein Silberkahn.
Und wer im Kahn gestanden Auf grünem Hügelmeer, Der fühlet alle Banden Der Erde nimmermehr.
Dem ist, als ging in Gluten Der Himmel freudig auf, Als zog auf grünen Fluten Das Schifflein still hinauf!
Es weht an manchen Stellen Ein Zauber ein und aus - Es liegt in grünen Wellen Das liebe Kerner - Haus.
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Interpretation
Das Gedicht "Weinsberg" von Hermann Rollett ist eine lyrische Hommage an den Ort Weinsberg und seine Geschichte. Es beginnt mit der Erwähnung vieler Sagen und Wunder, die aus längst vergangenen Zeiten überliefert sind und mit Gesang und Klang verbunden sind. Das zentrale Thema ist die Treue der Frauen, die in einem Lied besungen wird und die Treue zu jeder Stunde erneuert. Das Gedicht beschreibt auch einen fröhlichen Geiger, der noch auf seinem Totenbett sein Lied spielte, sowie die Feste und den minniglichen Gesang, die von den Besten in hohem Liederklang erzählt wurden. Der Autor betont, dass auch in der Gegenwart noch vieles wert ist, das durch das Lied erhoben und verklärt werden kann. Der zweite Teil des Gedichts konzentriert sich auf ein grünlaubiges Haus in Weinsberg, in dem ein Zauber weht. Dort ertönt ein wunderbarer Klang, der wie ein himmlischer Gesang klingt. Das Haus schmiegt sich an die Rebenhügel an, ähnlich wie ein Silberkahn auf grüner Welle. Wer in diesem Kahn auf dem grünen Hügelmeer gestanden hat, fühlt sich von allen irdischen Banden befreit. Der Himmel scheint in Glut aufzugehen, und das Schiffchen fährt still auf den grünen Fluten hinauf. Der Zauber weht an vielen Stellen, und das geliebte Kerner-Haus liegt in grünen Wellen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Von Jubel und von Festen, Von minniglichem Sang
- Hyperbel
- Dem ist, als ging in Gluten Der Himmel freudig auf
- Metapher
- Es ist, als ob man träume Von himmlischem Gesang.
- Personifikation
- Da weht mit goldnen Flügeln Ein Zauber ein und aus.
- Vergleich
- So wie auf grüner Welle Sich wiegt ein Silberkahn.