Weihnachtslied

Ferdinand Freiligrath

1844

in Soest, und von ihnen gesungen.

Wenn traulich mit schimmernden Flocken Der Winter die Erde bestreut, Und rings die metallenen Glocken, Sich regen zum Weihnachtsgeläut;

Dann senkt sich auf goldigem Wagen Das Christkind zur Erde herab, Von rosigen Wolken getragen, Im Händchen der silberne Stab.

Von purpurnem Samt ist sein Röckchen, Das Krönlein von edlem Gestein, Und über den wallenden Löckchen Glänzt blendend ein Heiligenschein.

Und Engel mit farbigen Schwingen Umringen das liebliche Kind, Und zitternde Glöckchen erklingen, Und huldigend flüstert der Wind.

So naht es der Erde Revieren Mit strahlendem, bunten Gespann; Es öffnet von selbst sich die Türen, Pocht leise ein Fingerchen an.

Und springen die Pforten, die Riegel, Bewältigt vom himmlischen Schein, Dann schwebt es mit leuchtendem Flügel In Häuser und Hütten hinein.

Es sieht nach den schlafenden Kindern, Und küsst sie voll Inbrunst und spricht: “Schlaft ruhig, ihr möchtet mich hindern! Schlaft ruhig und störet mich nicht.”

Drauf trägt es in jegliches Zimmer Den prangenden, duftenden Baum. Wie schmücken mit leuchtendem Schimmer Die Kerzen der Zweiglein Saum!

Wie funkeln die herrlichen Gaben! Wer hat sich wohl Schönres gedacht! Es weiß was die Kinder gern haben, Das hat es denn alles gebracht!

O freut euch! Zu uns auch die Räder Des Wägleins hat es gelenkt! O juble und freue sich jeder! Wie reich sind auch wir heut beschenkt!

Ertöne melodisch, in leisen Akkorden, o Weihnachtsgesang! Christkindchen, empfange der Waisen, Der glücklichen, innigen Dank!

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Illustration zu Weihnachtslied

Interpretation

Das Gedicht "Weihnachtslied" von Ferdinand Freiligrath ist ein traditionelles Weihnachtsgedicht, das die Ankunft des Christkinds und die damit verbundene Freude und Bescherung beschreibt. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung der winterlichen Szenerie, in der das Christkind auf die Erde herabsteigt, umgeben von Engeln und mit einem silbernen Stab in der Hand. Die Darstellung des Christkinds ist sehr detailliert und farbenfroh, was die festliche Stimmung unterstreicht. Im weiteren Verlauf des Gedichts wird beschrieben, wie das Christkind in die Häuser und Hütten eintritt, um die schlafenden Kinder zu besuchen und ihnen Geschenke zu bringen. Die Kinder werden aufgefordert, ruhig zu schlafen, damit das Christkind seine Arbeit ungestört verrichten kann. Die Beschreibung der Bescherung ist sehr lebhaft und detailreich, was die Vorfreude und den Zauber der Weihnachtszeit verdeutlicht. Das Gedicht endet mit einem Ausdruck der Dankbarkeit und Freude über die erhaltenen Geschenke. Es wird ein Weihnachtsgesang angestimmt, um das Christkind zu ehren und ihm für seine Großzügigkeit zu danken. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine warme und festliche Atmosphäre, die den Zauber und die Freude der Weihnachtszeit einfängt.

Schlüsselwörter

erde leuchtendem schlaft ruhig soest gesungen traulich schimmernden

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Stilmittel

Apostrophe
Christkindchen, empfange der Waisen, der glücklichen, innigen Dank!
Hyperbel
Wie reich sind auch wir heut beschenkt!
Personifikation
Und huldigend flüstert der Wind
Symbolik
Der Heiligenschein