Weihnachtsbäume
1853Nun kommen die vielen Weihnachtsbäume aus dem Wald in die Stadt herein. Träumen sie Ihre Waldesträume wieder beim Laternenschein?
Könnten sie sprechen! Die holden Geschichten von der Waldfrau, die Märchen webt, was wir uns erst alles erdichten, sie haben das alles wirklich erlebt. Da steh′n sie nun an den Straßen und schauen wunderlich und fremd darein, als ob sie der Zukunft nicht trauen, es muß doch was im Werke sein! Freilich, wenn sie dann in den Stuben im Schmuck der hellen Kerzen stehn, und den kleinen Mädchen und Buben in die glänzenden Augen sehn,
Dann ist ihnen auf einmal, als hätte ihnen das alles schon mal geträumt, als sie noch im Wurzelbette den stillen Waldweg eingesäumt. Dann stehen sie da, so still und selig, als wäre ihr heimlichstes Wünschen erfüllt, als hätte sich ihnen doch allmählich ihres Lebens Sinn enthüllt; Als wären sie für Konfekt und Lichter vorherbestimmt, und es müßte so sein, und ihre spitzen Nadelgesichter sehen ganz verklärt darein.
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Interpretation
Das Gedicht "Weihnachtsbäume" von Gustav Falke erzählt von der Reise der Bäume vom Wald in die Stadt und ihrer Verwandlung zum Weihnachtsschmuck. Es beginnt mit der Ankunft der Bäume in der Stadt, wo sie unter dem Laternenschein stehen und scheinbar ihre Waldträume vergessen. Die Bäume könnten von den Märchen und Geschichten erzählen, die sie im Wald erlebt haben, doch stattdessen stehen sie still und wunderlich an den Straßen, als ob sie der Zukunft misstrauen. Doch wenn die Bäume dann in den Stuben stehen, geschmückt mit hellen Kerzen, und in die glänzenden Augen der Kinder sehen, kommt ihnen ein Gefühl der Vertrautheit. Es ist, als hätten sie diesen Moment schon einmal geträumt, als sie noch im Wald standen. Sie stehen da, still und selig, als ob sich ihr heimlichster Wunsch erfüllt hätte und ihnen der Sinn ihres Lebens enthüllt wurde. Die Bäume scheinen vorherbestimmt für Konfekt und Lichter zu sein, und ihre spitzen Nadelgesichter sehen ganz verklärt drein. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung, die von der Sehnsucht der Bäume nach ihrer Heimat im Wald geprägt ist. Es beschreibt die Verwandlung der Bäume von wilden Waldbewohnern zu geschmückten Weihnachtsbäumen und ihre schließliche Akzeptanz und Erfüllung in ihrer neuen Rolle. Die Bäume finden einen Sinn in ihrem Dasein als Weihnachtsschmuck und bringen Freude in die Herzen der Kinder.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Träumen sie Ihre Waldesträume wieder beim Laternenschein?
- Personifikation
- Als wären sie für Konfekt und Lichter vorherbestimmt, und es müßte so sein, und ihre spitzen Nadelgesichter sehen ganz verklärt darein.