Weihnachten

Erich Kurt Mühsam

unbekannt

Nun ist das Fest der Weihenacht das Fest, das alle glücklich macht, wo sich mit reichen Festgeschenken Mann, Weib und Greis und Kind bedenken, wo aller Hader wird vergessen beim Christbaum und beim Karpfenessen; - und Groß und Klein und Arm und Reich,- an diesem Tag ist alles gleich. So steht′s in vielerlei Varianten in deutschen Blättern. Alten Tanten und Wickelkindern rollt die Zähre ins Taschentuch ob dieser Märe. Papa liest′s der Familie vor, und alle lauschen und sind Ohr … Ich sah, wie so ein Zeitungsblatt ein armer Kerl gelesen hat. Er hob es auf aus einer Pfütze, dass es ihm hinterm Zaune nütze.

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Illustration zu Weihnachten

Interpretation

Das Gedicht "Weihnachten" von Erich Kurt Mühsam kritisiert die verklärende Darstellung des Weihnachtsfestes in den Medien. Es beginnt mit einer idealisierten Beschreibung der Weihnachtszeit, in der alle Menschen glücklich sind, Geschenke austauschen und der Alltagshader vergessen wird. Der Dichter schildert eine Szene, in der ein Vater aus der Zeitung vorliest und die Familie gebannt zuhört. Mühsam nutzt dann eine überraschende Wendung, um seine Kritik zu verdeutlichen. Er beschreibt, wie ein armer Mann ein Zeitungsblatt aus einer Pfütze aufhebt, um es als Notizpapier zu verwenden. Diese drastische Gegenüberstellung zwischen der idyllischen Darstellung in den Medien und der harten Realität des Lebens für Arme macht deutlich, dass die verklärte Weihnachtsstimmung für viele Menschen unerreichbar ist. Das Gedicht verdeutlicht die Kluft zwischen der idealisierten Weihnachtsstimmung, wie sie in den Medien dargestellt wird, und der Realität des Lebens für diejenigen, die in Armut leben. Mühsam verwendet dabei eine ironische und sarkastische Sprache, um die Diskrepanz zwischen den "vielen Varianten" in den Zeitungen und der tatsächlichen Lebenssituation vieler Menschen aufzuzeigen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Hyperbel
das Fest, das alle glücklich macht
Ironie
an diesem Tag ist alles gleich
Kontrast
Groß und Klein und Arm und Reich
Personifikation
der Zähre