Weihnacht

Hugo von Hofmannsthal

1891

Weihnachtsgeläute Im nächtigen Wind… Wer weiß, wo heute Die Glocken sind, Die Töne von damals sind?

Die lebenden Töne Verflogener Jahr' Mit kindischer Schöne Und duftendem Haar, Mit tannenduftigem Haar,

Mit Lippen und Locken Von Träumen schwer?… Und wo kommen die Glocken Von heute her, Die wandernden heute her?

Die kommenden Tage, Die wehn da vorbei. Wer hörts, ob Klage, Ob lachender Mai, Ob blühender, glühender Mai?…

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Interpretation

Das Gedicht "Weihnacht" von Hugo von Hofmannsthal beschäftigt sich mit der Vergänglichkeit der Zeit und der Sehnsucht nach vergangenen Weihnachtserinnerungen. Die Glockenklänge, die einst die Weihnachtsnächte begleiteten, sind nun im nächtigen Wind verklungen, und der Sprecher fragt sich, wo sie heute sind. Die "lebenden Töne" der vergangenen Jahre sind mit kindischer Schönheit und dem Duft von Tannen verbunden, was die Unschuld und Reinheit der Kindheit symbolisiert. Die Frage nach den heutigen Glocken und den kommenden Tagen spiegelt die Unsicherheit über die Zukunft und die Vergänglichkeit des Lebens wider. Die Klänge von heute sind "wandernd", was darauf hindeutet, dass sie flüchtig und vergänglich sind. Der Sprecher fragt sich, ob die kommenden Tage von Klage oder von der Freude des Mai geprägt sein werden, was die Ungewissheit über die Zukunft und die wechselnden Gefühle des Lebens ausdrückt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische Stimmung, die von der Sehnsucht nach der Vergangenheit und der Unsicherheit über die Zukunft geprägt ist. Die Weihnachtszeit wird als ein Symbol für die Vergänglichkeit der Zeit und die Unausweichlichkeit des Wandels verwendet, wobei der Sprecher versucht, die Bedeutung der Glockenklänge und der damit verbundenen Erinnerungen zu erfassen.

Schlüsselwörter

heute glocken töne haar her mai weihnachtsgeläute nächtigen

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Stilmittel

Alliteration
tannenduftigem Haar
Anapher
Weihnachtsgeläut, Die Glocken sind, Die Töne von damals sind, Die lebenden Töne, Mit kindischer Schöne, Mit Lippen und Locken, Und wo kommen die Glocken, Die kommenden Tage, Ob lachender Mai, Ob blühender, glühender Mai
Frage
Wer weiß, wo heute, Die Töne von damals sind?, Wer hörts, ob Klage
Metapher
Mit kindischer Schöne, Mit Lippen und Locken, Mit tannenduftigem Haar
Personifikation
Die Töne von damals sind, Die lebenden Töne