Weihnacht

Ludwig Anzengruber

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Ob hoch, ob nieder wir geboren, so wie uns antritt das Geschick, so geht der frohe Kindesblick, das Kinderherz geht uns verloren.

Zerstoben bis auf wenige Reste ist der Erinnerung Gewalt, abwägend stehen wir und kalt selbst vor des Jahres schönstem Feste.

Wir stehn vor einem toten Baume, gemordet an des Waldes Rand, geschmückt mit Flitter und mit Tand, gar ungleich unserm Kindheitstraume,

Doch stürzet dann herein zur Schwelle die kleine schar mit Jubelschrei, dann schleicht auch uns in Herz dabei der Weihnachtslieder frohe Helle.

Dem allen, was mit scharfem Sinnen du an den Dingen dir erschließt und was du wägst und zählst und misst, dem läßt kein Glück sich abgewinnen!

Drum laß das Kritteln und Verneinen, und lautern Herzens sei bereit, zur frohen sel´gen Weihnachtszeit dem Kinderjubel dich zu einen.

Erfasse ganz des Glaubens Fülle, der deine Kindheit einst durchweht, vom Gott, der hilfbereit entsteht, in armer, dürft´ger Menschenhülle.

Der Heiland wallt allzeit auf Erden, das glaube felsenfest und treu, nur freilich muß er stets aufs neu in jeder Brust geboren werden.

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Illustration zu Weihnacht

Interpretation

Das Gedicht "Weihnacht" von Ludwig Anzengruber beschreibt die Sehnsucht nach der unbeschwerten Freude der Kindheit während der Weihnachtszeit. Der Dichter reflektiert darüber, wie sich mit dem Erwachsenwerden die unschuldige Vorfreude und das Staunen über das Fest verlieren. Die nüchterne Betrachtung der Realität, symbolisiert durch den geschmückten Weihnachtsbaum, steht im Kontrast zu den Erinnerungen an die Kindheit. Die Ankunft der Kinder mit ihrem Jubel erweckt jedoch auch bei den Erwachsenen wieder ein Stück weit die weihnachtliche Stimmung und das Gefühl der Freude. Anzengruber betont, dass es wichtig ist, die kritische Distanz und den Zweifel abzulegen, um sich ganz auf die positive Atmosphäre des Festes einzulassen. Nur mit einem reinen Herzen und offen für den Glauben kann man die wahre Bedeutung der Weihnacht erfassen. Der Dichter schließt mit der Botschaft, dass der Heiland, Jesus Christus, nicht nur in der Vergangenheit geboren wurde, sondern dass sein Geist immer wieder in den Herzen der Menschen neu erstehen muss. Nur durch die bewusste Entscheidung, sich auf die Werte von Liebe, Hoffnung und Nächstenliebe zu besinnen, kann die wahre Weihnachtsbotschaft gelebt werden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Ob hoch, ob nieder wir geboren
Hyperbel
Zerstoben bis auf wenige Reste
Metapher
Muß er stets aufs neu In jeder Brust geboren werden
Personifikation
Die kleine schar mit Jubelschrei
Vergleich
Gar ungleich unserm Kindheitstraume