Weihnacht

Klabund

1890

Ich bin der Tischler Josef, Meine Frau, die heißet Marie. Wir finden kein′ Arbeit und Herberg′ Im kalten Winter allhie.

Habens der Herr Wirt vom goldnen Stern Nicht ein Unterkunft für mein Weib? Einen halbeten Kreuzer zahlert ich gern, Zu betten den schwangren Leib. -

Ich hab kein Bett für Bettelleut; Doch scherts euch nur in den Stall. Gevatter Ochs und Base Kuh Werden empfangen euch wohl. -

Wir danken dem Herrn Wirt für seine Gnad Und für die warme Stub. Der Himmel lohns euch und unser Kind, Seis Madel oder Bub.

Marie, Marie, was schreist du so sehr? - Ach Josef, es sein die Wehn. Bald wirst du den elfenbeinernen Turm, Das süßeste Wunder sehn. -

Der Josef Hebamme und Bader war Und hob den lieben Sohn Aus seiner Mutter dunklem Reich Auf seinen strohernen Thron.

Da lag er im Stroh. Die Mutter so froh Sagt Vater Unserm den Dank. Und Ochs und Esel und Pferd und Hund Standen fromm dabei.

Aber die Katze sprang auf die Streu Und wärmte zur Nacht das Kind. - Davon die Katzen noch heutigen Tags Maria die liebsten Tiere sind.

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Illustration zu Weihnacht

Interpretation

Das Gedicht "Weihnacht" von Klabund erzählt die biblische Weihnachtsgeschichte in einer einfachen, volkstümlichen Sprache. Es beginnt mit der Ankunft von Josef und Maria, die auf der Suche nach Unterkunft sind. Der Wirt weist sie in den Stall, wo sie von den Tieren herzlich aufgenommen werden. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Geburt Jesu beschrieben. Josef übernimmt die Rolle des Geburtshelfers und legt das Kind in eine Futterkrippe. Die Tiere, einschließlich Ochs, Esel, Pferd und Hund, stehen ehrfürchtig daneben. Eine besondere Rolle spielt die Katze, die auf die Streu springt und das Kind wärmt. Dieser Umstand wird als Grund dafür genannt, dass Katzen bis heute als Lieblingstiere Marias gelten. Klabund verwendet in seinem Gedicht eine einfache, volkstümliche Sprache, die die biblische Geschichte in eine zeitlose, universelle Erzählung verwandelt. Die Verwendung von Reimen und einer klaren Struktur verleiht dem Gedicht einen rhythmischen, fast wiegendenden Charakter, der an Weihnachtslieder erinnert. Durch die Betonung der Rolle der Tiere und der Katze wird die Weihnachtsgeschichte in eine gemütliche, heimelige Atmosphäre getaucht, die den Leser zum Nachdenken über die universellen Werte von Nächstenliebe und Mitgefühl anregt.

Schlüsselwörter

josef marie kein wirt ochs kind mutter tischler

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Stilmittel

Alliteration
Sagt Vater Unsern den Dank.
Anapher
Ich bin der Tischler Josef, Meine Frau, die heißtet Marie.
Kontrast
Der Himmel lohns euch und unser Kind, Seis Madel oder Bub.
Metapher
Auf seinen strohernen Thron.
Personifikation
Die Katze sprang auf die Streu und wärmte zur Nacht das Kind.