Weihelied zum Ziel und Ende
1734Herr, Gott, dich will ich preisen, Solang mein Odem weht, O hör auf meine Weisen, O sieh auf mein Gebet. Bin ich im Himmel oben, Da lern ich andern Sang, Da will ich hoch dich loben Mein ewig Leben lang.
Jetzt laß dir wohlgefallen Mein treu einfältig Lied Muß doch ein Kindlein lallen, Wenn es die Mutter sieht. Nun hab ich auch gesehen, Wie du so väterlich, Will nun nichts mehr verstehen Als dich, mein Vater, dich.
Ich saß in meiner Kammer, Sah trüb ins Leben hin, Die Seele rang in Jammer, Voll Sorge war mein Sinn; Da floß ein heilig Sehnen Mir in das öde Herz, Da brach mein Blick in Tränen Und schaute himmelwärts.
Da war dein Himmel offen, Stern traf in Augenstern, Mein Glauben, Lieben, Hoffen Fand Gnade vor dem Herrn. Das Lied, das ich verschwiegen, Das Lied, das leis ich sang, Sah ich die Engel wiegen In Davids Harfenklang.
Und sah, den ich gerühret Mit meinem Lerchensang, Zum Herrn von mir geführet Auf einem Dornengang. Er sang mit mir zusammen Mit selgem Flug und Fall, In Gottes Liebesflammen, Trotz Lerch, trotz Nachtigall!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Weihelied zum Ziel und Ende" von Clemens Brentano ist ein tief spirituelles Werk, das die Beziehung des lyrischen Ichs zu Gott thematisiert. Es beginnt mit einem Lobpreis auf Gott, der unabhängig von der irdischen oder himmlischen Existenz des Sprechers konstant bleibt. Das Gedicht beschreibt eine Reise von der kindlichen Einfachheit des Glaubens hin zu einer reifen, tiefen Beziehung zu Gott, die durch persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse geprägt ist. Im zweiten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über eine Zeit der Verzweiflung und des Zweifels, die durch eine göttliche Erfahrung transformiert wird. Diese Erfahrung führt zu einer tiefen Verbindung mit Gott, die sich in einem Gefühl der Gnade und der Erkenntnis der Gegenwart der Engel manifestiert. Das Gedicht schließt mit der Darstellung einer gemeinsamen spirituellen Reise mit einem anderen, der durch das Lied des lyrischen Ichs zu Gott geführt wird. Dies symbolisiert die Kraft der Musik und des Glaubens, andere zu inspirieren und zu führen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Herr, Gott, dich will ich preisen
- Metapher
- Trotz Lerch, trotz Nachtigall