Weihe des Schmerzes
1897Schon meinen Spielgenossen hieß ich Träumer; Denn wie ein Bruder engverwandt von je, Fühlt′ ich, o Schmerz, du tiefer, allgeheimer, Mich dir und deinem dunklen Weh.
Wenn lachend über mir des Lebens blauer Lichthimmel hängt, mich Scherz und Lust umhallt, Doch stets zu dir in deine ernste Trauer Zurückgezogen werd′ ich bald.
In mich mit langen, durst′gen Zügen sauge Ich deinen Odem, während so vertraut, Und wie aus Weltalltiefen doch, dein Auge, Das große, dunkel auf mich schaut.
Da fühl′ ich: aus dem düstern Reich dort unten Nur kommt die Weihe in des Menschen Brust, Und matt und schal erscheint mit ihren bunten Trugbildern mir der Erde Lust.
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Interpretation
Das Gedicht "Weihe des Schmerzes" von Adolf Friedrich Graf von Schack thematisiert die tiefe Verbundenheit des lyrischen Ichs mit dem Schmerz. Das Ich bezeichnet sich selbst als Träumer, der den Schmerz als engen Bruder empfindet und sich diesem und seinem dunklen Weh tief verbunden fühlt. Der Schmerz wird als allgegenwärtig und geheimnisvoll dargestellt, mit dem sich das Ich auf einer tiefen, fast spirituellen Ebene verbunden fühlt. Im zweiten Teil des Gedichts beschreibt das Ich, wie es sich trotz der fröhlichen und heiteren Momente im Leben immer wieder in die ernste Trauer des Schmerzes zurückzieht. Es saugt den Odem des Schmerzes in sich auf und fühlt sich durch den tiefen Blick des Schmerzes, der wie aus den Tiefen des Weltalls kommt, tief berührt und erleuchtet. Diese Verbindung zum Schmerz wird als etwas Heiliges und Erhabenes dargestellt, das dem Ich eine Art Weihe verleiht. Im letzten Teil des Gedichts kommt die Erkenntnis zum Ausdruck, dass nur aus dem düsteren Reich des Schmerzes eine wahre Weihe in die menschliche Brust gelangen kann. Die vergänglichen und trügerischen Freuden der Erde erscheinen im Vergleich dazu matt und fade. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefe Wertschätzung für den Schmerz als Quelle spiritueller Erleuchtung und als Gegenpol zu den oberflächlichen Vergnügungen des Lebens.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Doch stets zu dir in deine ernste Trauer Zurückgezogen werd′ ich bald.
- Metapher
- mit ihren bunten Trugbildern mir der Erde Lust
- Personifikation
- Fühlt′ ich, o Schmerz, du tiefer, allgeheimer, Mich dir und deinem dunklen Weh.