Weide
1783Über dir mein Singen wie Regen, Glitzernd sprühnder Staub, Und du sollst darunter dich legen Mit dem süßen Laub, Junge Weide, zärtliche Flechte, Die aus dem Spiegel trinkt, Der vom Weinen armer Nächte Sich erfüllt und blinkt.
Demut weicher ?ießender Strähne, Still verwehtes Haupt, Das dem Kreisen der Höckerschwäne, Ihrem Schweigen glaubt; Lächelnd tauchen Kräuselgestalten Dir aus Haaren, Kind, Wenn ich wiegen dich darf und falten In einem nilblauen Wind.
Wächst du tief durch schlammige Gründe An den Quellkristall, Stößt die Wurzel dir aus Sünde Mitten ins strömende All, Wird ein Otterfisch sie nagen Mit vergiftendem Biß, Will ich Stürme um dich schlagen, Schleier, die ich riß,
Mutter, dich auf Wassern tragen In meine Finsternis.
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Interpretation
Das Gedicht "Weide" von Gertrud Kolmar thematisiert die Beziehung zwischen der lyrischen Ich-Figur und einer jungen Weide, die als Metapher für ein geliebtes Kind oder eine geliebte Person dient. Die Weide wird als zärtliches und verletzliches Wesen beschrieben, das unter dem Gesang des lyrischen Ichs Schutz sucht und Trost findet. Die zweite Strophe verdeutlicht die Demut und Sanftheit der Weide, die an das stille Haupt einer Person erinnert, die an die Ruhe und das Schweigen der Natur glaubt. Das lyrische Ich verspricht, die Weide zu wiegen und zu falten, als ob es ein Kind in den Armen hält, und beschreibt dabei eine liebevolle und fürsorgliche Haltung. In der dritten Strophe wird die Weide als tief verwurzeltes Wesen dargestellt, das aus Sünde und Schuld erwächst. Das lyrische Ich erkennt die Gefahren und Bedrohungen, denen die Weide ausgesetzt ist, wie zum Beispiel den Otterfisch, der ihre Wurzeln mit giftigem Biss zerstören könnte. Doch es verspricht, Stürme um die Weide zu schlagen und sie mit Schleier zu schützen, die es selbst zerrissen hat. Die letzte Strophe zeigt die tiefe Verbundenheit und Liebe des lyrischen Ichs zur Weide. Es bietet an, die Weide auf den Wassern seiner eigenen Finsternis zu tragen, was eine selbstlose und opferbereite Haltung verdeutlicht. Das Gedicht endet mit einem Appell an die Mutter, die Weide in die Obhut des lyrischen Ichs zu geben, was die Intensität der emotionalen Bindung unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- [Glitzernd sprühnder Staub Demut weicher ?ießender Strähne Still verwehtes Haupt Kräuselgestalten nilblauer Wind schlammige Gründe Quellkristall Sünde strömende All Otterfisch sie nagen vergiftendem Biß Stürme um dich schlagen Schleier, die ich riß Mutter, dich auf Wassern tragen]
- Bildsprache
- [Glitzernd sprühnder Staub mit dem süßen Laub Sich erfüllt und blinkt Still verwehtes Haupt Kräuselgestalten Dir aus Haaren nilblauer Wind schlammige Gründe Quellkristall strömende All vergiftendem Biß Stürme um dich schlagen Schleier, die ich riß Mutter, dich auf Wassern tragen In meine Finsternis]
- Enjambement
- [Über dir mein Singen wie Regen, Glitzernd sprühnder Staub, Und du sollst darunter dich legen Mit dem süßen Laub, Die aus dem Spiegel trinkt, Der vom Weinen armer Nächte Sich erfüllt und blinkt. Demut weicher ?ießender Strähne, Still verwehtes Haupt, Das dem Kreisen der Höckerschwäne, Ihrem Schweigen glaubt; Lächelnd tauchen Kräuselgestalten Dir aus Haaren, Kind, Wenn ich wiegen dich darf und falten In einem nilblauen Wind. Wächst du tief durch schlammige Gründe An den Quellkristall, Stößt die Wurzel dir aus Sünde Mitten ins strömende All, Wird ein Otterfisch sie nagen Mit vergiftendem Biß, Will ich Stürme um dich schlagen, Schleier, die ich riß, Mutter, dich auf Wassern tragen In meine Finsternis.]
- Metapher
- [Über dir mein Singen wie Regen Junge Weide, zärtliche Flechte Demut weicher ?ießender Strähne Kräuselgestalten nilblauer Wind Quellkristall Mutter, dich auf Wassern tragen]
- Personifikation
- [Die aus dem Spiegel trinkt Demut weicher ?ießender Strähne Das dem Kreisen der Höckerschwäne, Ihrem Schweigen glaubt]
- Symbolik
- [Weide Regen Flechte Spiegel Schwäne Sünde Otterfisch Stürme Schleier Finsternis]
- Vergleich
- [Über dir mein Singen wie Regen]