Weicht von mir, ihr Bilder-lockender Lüste,
Ihr schwellender Leiber weißwogende Brüste,
Ihr dunkler Augen feuchtschimmernde Gluthen,
Ihr Lippen so süß im Kuß zu verbluten!
Nicht will ich umschlungen von weichen Armen,
Umkost von des Weibes Dufthauch, dem warmen,
Die Sinne letzen im Taumel der Wonne –
Zu dir die Seele hinaufstrebt, Ursonne!
O laß mich baden in seliger Klarheit!
O sprich zu mir: ewige göttliche Wahrheit!
Weicht von mir…
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Weicht von mir…“ von Wilhelm Arent ist ein leidenschaftlicher Aufruf zur Abkehr von sinnlichen Verlockungen und zur Hinwendung zu einer höheren, spirituellen Wahrheit. Es ist ein Akt der Selbstverleugnung, in dem der Sprecher die Freuden des Körpers und die weltlichen Begierden zugunsten eines transzendenten Ideals ablehnt. Die Sprache ist pathetisch und von einer ergreifenden Dringlichkeit geprägt, was die Intensität des inneren Kampfes widerspiegelt, den der Sprecher austrägt.
Die ersten vier Zeilen beschreiben detailliert die sinnlichen Reize, die der Sprecher ablehnt. Es ist eine Aufzählung von Bildern, die die Sinne ansprechen: die „Bilder-lockende Lüste“, die „schwellenden Leiber“, die „feuchtschimmernde Gluthen“ dunkler Augen und „Lippen so süß im Kuß zu verbluten!“. Durch diese detaillierte Beschreibung wird die Macht der Versuchung verdeutlicht, die der Sprecher zu überwinden versucht. Die Metaphern und bildhaften Beschreibungen erzeugen ein Gefühl von Sinnlichkeit und Verlockung, wodurch die Abkehr des Sprechers umso stärker und bewusster wird.
In der zweiten Hälfte des Gedichts wird die Abkehr von den sinnlichen Freuden durch ein Bekenntnis zur Seele und zur Wahrheit abgelöst. Der Sprecher wünscht sich nicht die Umarmung „weicher Arme“ oder den „Dufthauch“ der Frau, sondern strebt danach, sich in „seliger Klarheit“ zu baden und die „ewige göttliche Wahrheit“ zu empfangen. Die „Ursonne“ wird zum Ziel der Seele, was ein starkes Bild für die Erleuchtung und die Hinwendung zu Gott oder einer höheren Macht darstellt. Hier offenbart sich der zentrale Konflikt des Gedichts: die Gegenüberstellung von weltlicher Begierde und spiritueller Erhebung.
Das Gedicht ist ein Ausdruck der Sehnsucht nach einer reinen, unbefleckten Existenz und ein Bekenntnis zur Überwindung der materiellen Welt. Es ist ein Zeugnis für die innere Zerrissenheit, die der Sprecher erlebt, und die Entschlossenheit, sich von weltlichen Ablenkungen zu befreien, um sich der spirituellen Wahrheit zuzuwenden. Die starke Rhetorik und die bildhafte Sprache verstärken die Intensität dieses Konflikts und machen das Gedicht zu einem ergreifenden Appell.
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Lizenz und Verwendung
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