Weicht von mir...
1885Weicht von mir, ihr Bilder-lockender Lüste, Ihr schwellender Leiber weißwogende Brüste, Ihr dunkler Augen feuchtschimmernde Gluthen, Ihr Lippen so süß im Kuß zu verbluten! Nicht will ich umschlungen von weichen Armen, Umkost von des Weibes Dufthauch, dem warmen, Die Sinne letzen im Taumel der Wonne – Zu dir die Seele hinaufstrebt, Ursonne! O laß mich baden in seliger Klarheit! O sprich zu mir: ewige göttliche Wahrheit!
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Interpretation
Das Gedicht "Weicht von mir..." von Wilhelm Arent ist eine leidenschaftliche Abkehr von irdischen, sinnlichen Freuden zugunsten einer höheren, geistigen Erfahrung. Der Sprecher wendet sich vehement von den Bildern der Lust, den üppigen weiblichen Körpern und den sinnlichen Reizen ab. Er lehnt die Versuchung der körperlichen Liebe und des Genusses ab, die als bedrohlich und verzehrend dargestellt werden. Stattdessen strebt die Seele des Sprechers nach einer höheren Wahrheit und Reinheit. Er sehnt sich danach, sich in der Klarheit und dem Licht einer göttlichen Quelle zu baden. Die "Ursonne" wird als Symbol für die ewige, göttliche Wahrheit verstanden, die der Sprecher erreichen möchte. Das Gedicht ist ein Ausdruck des spirituellen Erwachens und des Strebens nach Erleuchtung. Die Sprache des Gedichts ist sehr bildhaft und emotional. Die sinnlichen Reize werden in drastischen, fast gewalttätigen Bildern beschrieben, während die geistige Erfahrung in sanften, erhebenden Tönen dargestellt wird. Das Gedicht ist ein Beispiel für die romantische Tradition, die das Spirituelle über das Körperliche stellt und die Suche nach der Wahrheit als höchstes Ziel des Menschen betrachtet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Weicht von mir, ihr Bilder-lockender Lüste, Ihr schwellender Leiber weißwogende Brüste, Ihr dunkler Augen feuchtschimmernde Gluthen, Ihr Lippen so süß im Kuß zu verbluten!
- Apostrophe
- O laß mich baden in seliger Klarheit! O sprich zu mir: ewige göttliche Wahrheit!
- Hyperbel
- Ihr Lippen so süß im Kuß zu verbluten!
- Metapher
- Ursonne
- Personifikation
- Zu dir die Seele hinaufstrebt, Ursonne!