Weibliche Minente
1804Lieber drei Wochen gehungert, und dann mit wallender Feder, Tamburin und Gesang nur zum Testaccio hinaus!
Nur geprügelt den Mann, wenn er murrt! Am Carneval muß man Schwärmen, mit Mask′ und Kostüm′ Cors′ und Theater durchziehn.
Jetzt kommt der Pabst und die Prozession! Und den schreienden Kleinen Packt die Mutter sofort ein und hinaus aus dem Haus.
Wer auch plagte sich nur an dem Heerd, am Camine! Man ziehet In die Schenke getrost mit der Familie ein.
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Interpretation
Das Gedicht "Weibliche Minente" von Wilhelm Friedrich Waiblinger beschreibt das Leben und die Gewohnheiten einer italienischen Frau während der Karnevalszeit. Die Frau wird als leidenschaftlich und lebensfroh dargestellt, die lieber drei Wochen hungert, um sich dann mit Tamburin und Gesang zum Testaccio hinauszubegeben. Sie schlägt ihren Mann, wenn er sich beschwert, und zieht während des Karnevals mit Masken und Kostümen durch die Straßen, um zu schwärmen und Theater zu machen. Die zweite Strophe zeigt die Hingabe der Frau an die religiösen Prozessionen, bei denen der Papst erscheint. Sie packt ihre schreienden Kinder sofort ein und zieht mit ihnen aus dem Haus, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Die letzte Strophe verdeutlicht, dass die Frau keine Lust hat, sich um den Herd und den Kamin zu kümmern. Stattdessen zieht sie mit ihrer Familie in die Schenke, um dort zu feiern und das Leben zu genießen. Insgesamt porträtiert das Gedicht eine temperamentvolle und genussfreudige Frau, die sich von den Zwängen des Alltags löst und sich voll und ganz dem Karnevalsfieber hingibt. Sie lebt im Moment, genießt die Musik, das Tanzen und die religiösen Prozessionen, ohne sich um die häuslichen Pflichten zu kümmern. Waiblinger zeichnet ein lebendiges Bild des italienischen Karnevals und der Frauen, die im Mittelpunkt dieses Spektakels stehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schwärmen, mit Mask′ und Kostüm′ Cors′ und Theater durchziehn
- Bildsprache
- Jetzt kommt der Pabst und die Prozession!
- Hyperbel
- Wer auch plagte sich nur an dem Heerd, am Camine!
- Imperativ
- Nur geprügelt den Mann, wenn er murrt!
- Kontrast
- Und den schreienden Kleinen Packt die Mutter sofort ein und hinaus aus dem Haus
- Metapher
- Tamburin und Gesang nur zum Testaccio hinaus!