Weibertreue B.
1806Wohl aus dem Aug, wohl aus dem Sinn! Das zeuget meine Nachbarin. Ihr Medor, der sie ganz mit Seel und Leib beseßen, Verreist auf vierzehn Tage nur. Ein andrer kam - und Medor war vergeßen. Doch plötzlich auf des Hauses Flur Stand scheltend Medor: Ungetreue! Hast dus nicht redlicher gemeint? »Ach, rief sie, lieber guter Freund! Du schiltst mit Recht! Tief fühl ichs und mit Reue! Nur schilt geschwind und mache fort, Denn unter uns, der andre wartet dort.
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Interpretation
Das Gedicht "Weibertreue B." von Heinrich Christian Boie behandelt das Thema der Treue und Untreue in einer humorvollen und ironischen Weise. Es erzählt die Geschichte einer Frau, deren Nachbarin ihre Untreue gegenüber ihrem Mann Medor offenbart. Die Nachbarin gibt zu, dass sie Medor, der für nur vierzehn Tage verreist war, schnell vergessen hat, als ein anderer Mann auftauchte. Dies zeigt die Oberflächlichkeit und die Leichtfertigkeit, mit der die Frau ihre Beziehung zu Medor behandelt hat. Als Medor unerwartet zurückkehrt und die Frau der Untreue beschuldigt, reagiert sie mit Reue und Scham. Sie gesteht ihre Schuld ein und bittet Medor, schnell zu Ende zu reden, da ein anderer Mann auf sie wartet. Diese Reaktion unterstreicht die Ironie der Situation und die Doppelzüngigkeit der Frau, die zwar Reue zeigt, aber gleichzeitig ihre Affäre fortsetzen möchte. Boie nutzt diese Ironie, um die Leser zum Nachdenken über die Natur der Treue und die menschlichen Schwächen anzuregen. Das Gedicht endet mit einer scharfen Kritik an der Doppelzüngigkeit der Frau und der Oberflächlichkeit ihrer Gefühle. Boie verwendet den Kontrast zwischen der anfänglichen Untreue und der anschließenden Reue, um die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Schwierigkeit, wahre Treue zu bewahren, zu verdeutlichen. Die humorvolle und ironische Darstellung der Ereignisse regt die Leser dazu an, über die Bedeutung von Treue und Ehrlichkeit in Beziehungen nachzudenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Wohl aus dem Aug, wohl aus dem Sinn!
- Direkte Rede
- »Ach, rief sie, lieber guter Freund!«
- Hyperbel
- Verreist auf vierzehn Tage nur
- Ironie
- Denn unter uns, der andre wartet dort
- Kontrast
- Ein andrer kam - und Medor war vergeßen
- Metapher
- Tief fühl ichs und mit Reue
- Personifikation
- Ihr Medor, der sie ganz mit Seel und Leib beseßen
- Rhetorische Frage
- Hast dus nicht redlicher gemeint?