Weib, gieb mir Dekkel, Spieß und Mantel
1841Weib, gieb mir Dekkel, Spieß und Mantel, Der Dienst geht los, ich muß hinaus. Noch einen Schluck. . . . Adies, Mariandel! Ich hüt′ die Stadt, hüt′ du das Haus! Nun schrei′ ich wieder wie besessen, Was sie nicht zu verstehen wagen Und was sie alle Tag′ vergessen: Uht! Hört, ihr Herrn, und laßt Euch sagen! Schnarcht ruhig fort in Eu′ren Nestern Und habt auf mein Gekreisch nicht Acht! Die Welt ist akkurat wie gestern, Die Nacht so schwarz wie alle Nacht. Auch welche Zeit, will Niemand wissen, ′s giebt keine Zeit in uns′ren Tagen, Duckt Euch nur in die warmen Kissen, Die Glokke die hat nichts geschlagen!
Laß keiner sich im Schlaf berükken Vom (vulgo Zeitgeist) Antichrist, Und sollte wen ein Aelplein drükken, Dankt Gott, daß es nichts Aerg′res ist. Das Murren, Meistern, Zerr′n und Zanken, Das Träumen thut es freilich nicht, Drum schluckt sie ′runter die Gedanken, Bewahrt das Feuer und das Licht!
Auch wakkelt nicht im bösen Willen An Eu′rem Bett und räkelt nicht, Die Zipfelmüzze zieht im Stillen Zufrieden über′s Angesicht. Der Hund im Stall, der Mann beim Weibe, Die Magd beim Knecht, wie Recht und Pflicht, So ruht und rührt Euch nicht beileibe, Auf daß der Stadt kein Schad′ geschicht!
Und wann die Nacht, wie alle Nächte, Vollendet hat den trägen Lauf, Dann steigt, doch stäts zuerst das rechte Bein aus den Federn, sittsam auf! Labt Euch an dem Zichorientranke Und tretet Eure Mühlen gern, Freut Euch des Lebens voller Danke Und lobt, nächst Gott, den Landesherrn!
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Interpretation
Das Gedicht "Weib, gieb mir Dekkel, Spieß und Mantel" von Franz von Dingelstedt beschreibt die Monotonie und Routine des städtischen Lebens. Der Sprecher, ein Nachtwächter, verlässt seine Frau, um seinen Dienst anzutreten und die Stadt zu bewachen, während sie das Haus hütet. Er ruft in die Nacht, aber seine Warnrufe werden von den schlafenden Bürgern ignoriert, die in ihren warmen Betten verharren und sich nicht um die Außenwelt kümmern. Die Bürger werden aufgefordert, in ihrem Schlaf zu verharren und sich nicht von der fortschreitenden Zeit oder dem "Zeitgeist" stören zu lassen. Sie sollen dankbar sein, dass es ihnen gut geht, und ihre Gedanken schlucken, anstatt zu murren oder zu klagen. Der Nachtwächter ermahnt sie, ruhig zu bleiben und sich nicht zu bewegen, um der Stadt keinen Schaden zuzufügen. Am Morgen sollen die Bürger dankbar für ihr Leben sein, sich an ihrem Kaffee erfreuen und fleißig ihre Arbeit verrichten. Sie sollen Gott und den Landesherrn loben. Das Gedicht kritisiert die Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit der Bürger, die sich nicht um die Welt außerhalb ihres engen Lebensraums kümmern und blind den gesellschaftlichen Normen folgen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Weib, gieb mir Dekkel, Spieß und Mantel
- Apostrophe
- Freut Euch des Lebens voller Danke
- Appell
- Und lobt, nächst Gott, den Landesherrn
- Bildsprache
- Sollte wen ein Aelplein drükken
- Hyperbel
- Nun schrei ich wieder wie besessen
- Imperativ
- Weib, gieb mir Dekkel, Spieß und Mantel
- Metapher
- Zichorientranke
- Personifikation
- Die Glokke die hat nichts geschlagen