Weh' euch, ihr stolzen Hallen
1816Da soll die Hütte niemand bauen, da siedle nie ein Mensch sich an, wo man den Dichtern nicht mehr trauen, wo man kein Lied mehr hören kann! Wo man der Leier goldne Saite weit schlimmer fürchtet als das Schwert! Wo zu der Geister frischem Streite man weder Raum noch Licht gewährt! Was nützt es Tempel zu errichten, wenn ihr die Götter selbst vertreibt? Die Wahrheit sucht ihr zu vernichten: Was nützt es, daß die Lüge bleibt?! - Ihr habt euch selbst das Los gezogen, die Stunde naht, das Maß ist voll; und statt der Leier greift den Bogen der rächende, der Gott Apoll!
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Interpretation
Das Gedicht "Weh' euch, ihr stolzen Hallen" von Robert Eduard Prutz ist eine leidenschaftliche Anklage gegen eine Gesellschaft, die Kunst und Wahrheit unterdrückt. Der Dichter verurteilt eine Welt, in der den Dichtern nicht mehr vertraut wird und in der die Menschen kein Lied mehr hören können. Er vergleicht die goldene Saite der Leier, ein Symbol für die Kunst und die Dichtung, mit dem Schwert und betont damit die Macht und Bedeutung der Kunst. Er kritisiert auch die Unterdrückung der freien Geister, die keinen Raum oder Licht für ihre Ideen haben. Prutz stellt die Frage nach dem Sinn von Tempeln, wenn die Götter selbst vertrieben werden. Er deutet an, dass die Wahrheit zerstört wird und die Lüge bleibt. Dies könnte als Kritik an einer Gesellschaft verstanden werden, die die Wahrheit ignoriert oder unterdrückt und stattdessen Lügen oder Unwahrheiten bevorzugt. Der Dichter warnt, dass diejenigen, die diese Unterdrückung betreiben, ihr eigenes Schicksal heraufbeschwören. Das Gedicht endet mit einer Drohung. Der rächende Gott Apoll, der in der griechischen Mythologie der Gott der Dichtkunst und der Wahrheit ist, greift zum Bogen. Dies könnte als Symbol für die kommende Vergeltung für die Unterdrückung der Kunst und der Wahrheit interpretiert werden. Es ist eine Warnung an die "stolzen Hallen", dass ihre Handlungen Konsequenzen haben werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Da soll die Hütte niemand bauen, da siedle nie ein Mensch sich an, wo man den Dichtern nicht mehr trauen, wo man kein Lied mehr hören kann!
- Chiasmus
- Ihr habt euch selbst das Los gezogen, die Stunde naht, das Maß ist voll;
- Hyperbel
- Wo zu der Geister frischem Streite man weder Raum noch Licht gewährt!
- Metapher
- Wo man der Leier goldne Saite weit schlimmer fürchtet als das Schwert!
- Personifikation
- Der rächende, der Gott Apoll!
- Rhetorische Frage
- Was nützt es Tempel zu errichten, wenn ihr die Götter selbst vertreibt?