Wecken

August Stramm

1914

Die Nacht Seufzt Um die schlafen Schläfen Küsse. Eisen klirrt zerfahlen. Haß reckt hoch Und Schlurrt den Traum durch Furchen. Wiehern stampft Schatten lanzt der Wald. Ins Auge tränen Sterne Und Ertrinken.

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Illustration zu Wecken

Interpretation

Das Gedicht "Wecken" von August Stramm ist ein expressionistisches Werk, das durch seine fragmentarische Sprache und die Verwendung von Nomen statt Verben eine surreale und beunruhigende Atmosphäre schafft. Die Nacht seufzt und küsst die schlafenden Schläfen, was eine sanfte und intime Stimmung erzeugt. Doch diese Ruhe wird schnell durch das Klirren von Eisen und den Hass, der hochreckt und den Traum durch Furchen schlurft, gestört. Die Bilder werden zunehmend unheimlicher und bedrohlicher, wie das Wiehern und Stampfen, das Werfen von Schatten durch den Wald und das Tränen der Sterne in die Augen, die schließlich ertrinken. Die fragmentarische Sprache und die Verwendung von Nomen anstelle von Verben tragen zur Desorientierung und Verunsicherung bei. Die Nacht, die normalerweise mit Ruhe und Schlaf assoziiert wird, wird hier zu einer beunruhigenden und bedrohlichen Kraft. Das Klirren von Eisen könnte auf Krieg oder Gewalt hindeuten, während der Hass und das Schlurfen durch Furchen eine bedrohliche Atmosphäre schaffen. Das Wiehern und Stampfen sowie das Werfen von Schatten durch den Wald verstärken das Gefühl von Unruhe und Angst. Die Sterne, die in die Augen tränen und ertrinken, könnten als Symbol für Hoffnung oder Schönheit interpretiert werden, die in der Dunkelheit und dem Chaos untergehen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine düstere und beunruhigende Stimmung, die den Leser in eine surreale und bedrohliche Welt eintauchen lässt. Die fragmentarische Sprache und die ungewöhnliche Wortstellung tragen zur Desorientierung bei und verstärken die beunruhigende Atmosphäre. Das Gedicht könnte als Ausdruck der Ängste und Unsicherheiten der modernen Welt interpretiert werden, in der die traditionellen Werte und Strukturen brüchig geworden sind und durch Chaos und Gewalt ersetzt wurden.

Schlüsselwörter

nacht seufzt schlafen schläfen küsse eisen klirrt zerfahlen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Schlurrt den Traum durch Furchen
Metapher
Haß reckt hoch
Onomatopoesie
Eisen klirrt
Personifikation
Sterne tränen