Wechsel
1832Auf Kieseln im Bache da lieg′ ich, wie helle! Verbreite die Arme der kommenden Welle, Und buhlerisch drückt sie die sehnende Brust; Dann führt sie der Leichtsinn im Strome danieder; Es naht sich die zweite, sie streichelt mich wieder: So fühl′ ich die Freuden der wechselnden Lust.
Und doch, und so traurig, verschleifst du vergebens Die köstlichen Stunden des eilenden Lebens, Weil dich das geliebteste Mädchen vergißt! O ruf′ sie zurücke, die vorigen Zeiten! Es küßt sich so süße die Lippe der Zweiten, Als kaum sich die Lippe der Ersten geküßt.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Wechsel" von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt die Erfahrung eines Liebenden, der die Wechselhaftigkeit der Liebe und des Lebens erfährt. Die erste Strophe vergleicht die Liebe mit einer Welle, die den Liebenden berührt und wieder verlässt, um von einer neuen Welle abgelöst zu werden. Dies symbolisiert die Vergänglichkeit und das ständige Kommen und Gehen von Gefühlen und Erlebnissen. In der zweiten Strophe wird die Traurigkeit des Liebenden deutlich, der vergeblich versucht, die schönen Momente des Lebens festzuhalten. Die geliebte Frau hat ihn vergessen, was die Vergänglichkeit der Liebe und des Lebens unterstreicht. Der Liebende wünscht sich, die vergangenen Zeiten zurückzurufen, um die Süße der Liebe noch einmal zu erleben. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass die zweite Liebe genauso süß sein kann wie die erste, obwohl der Liebende die erste Liebe noch nicht vollständig vergessen hat. Dies zeigt, dass der Liebende bereit ist, sich auf neue Erfahrungen einzulassen und die Vergänglichkeit der Liebe zu akzeptieren. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung, die die menschliche Erfahrung der Vergänglichkeit und des Wandels widerspiegelt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- buhlerisch drückt sie die sehnende Brust
- Bildsprache
- Und buhlerisch drückt sie die sehnende Brust
- Hyperbel
- Die köstlichen Stunden des eilenden Lebens
- Kontrast
- Und doch, und so traurig, verschleifst du vergebens
- Metapher
- Auf Kieseln im Bache da lieg′ ich, wie helle!
- Personifikation
- Verbreite die Arme der kommenden Welle
- Rhetorische Frage
- O ruf′ sie zurücke, die vorigen Zeiten!
- Vergleich
- Es küßt sich so süße die Lippe der Zweiten, Als kaum sich die Lippe der Ersten geküßt