Wechsel der Welt

Oskar Jerschke

1885

Die Welt ist nimmer geblieben Die herrliche Welt des Homer, Die Götter sind längst vertrieben, Gestürzt sind die Tempel ins Meer.

Verschollen die heiligen Lieder, Verwirbelt der Opferrauch, In Hohn und Gespött darnieder Gebrochen der Priester Brauch.

Nicht betende Völker mehr wallen Zu schimmernden Säulenreihn, Den hohen Olympiern allen Geschmückte Geschenke zu weihn.

Die Himmlischen mußten erliegen In toller Jahrhunderte Kampf, Es schwelgt in Trophäen und Siegen, Es herrscht: der allmächtige Dampf.

Es sausen die Hämmer und dröhnen Auf Silber, auf Gold und auf Blei, Maschinen rasseln und stöhnen gellendes Einerlei.

Kaum kann der Donner dringen Durch all der Fabriken Gebraus, Und Lieder und Glockenklingen Verschwimmen im Rädergesaus.

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Illustration zu Wechsel der Welt

Interpretation

Das Gedicht "Wechsel der Welt" von Oskar Jerschke beschreibt den Übergang von der antiken Welt zur modernen Industriegesellschaft. Es beginnt mit dem Verlust der mythischen und religiösen Welt Homers, in der Götter und Tempel eine zentrale Rolle spielten. Die einst heiligen Lieder und Rituale sind verschwunden, und die Menschen beten nicht mehr zu den Olympiern. Stattdessen hat der "allmächtige Dampf" die Herrschaft übernommen, was den technologischen Fortschritt und die Industrialisierung symbolisiert. Der zweite Teil des Gedichts schildert die laute und monotone Welt der Fabriken, in der Hämmer auf verschiedene Metalle schlagen und Maschinen rasseln und stöhnen. Der Lärm der Fabriken ist so überwältigend, dass selbst der Donner kaum noch durchdringen kann. Die einstigen Klänge von Liedern und Glocken sind im Getöse der Räder und Maschinen untergegangen. Insgesamt vermittelt das Gedicht einen Eindruck von Verlust und Veränderung. Die alte Welt mit ihren Mythen, Religionen und kulturellen Traditionen ist verschwunden und wurde durch eine neue, technologisierte Welt ersetzt. Der Fortschritt hat seinen Preis, und die einstige Schönheit und Harmonie sind einem lauten und eintönigen Dasein gewichen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Verschollen die heiligen Lieder
Hyperbel
Gestürzt sind die Tempel ins Meer
Metapher
Verschwimmen im Rädergesaus
Onomatopoesie
Es sausen die Hämmer und dröhnen
Personifikation
Die Götter sind längst vertrieben