Wasserflut
1827Manche Trän′ aus meinen Augen Ist gefallen in den Schnee; Seine kalten Flocken saugen Durstig ein das heiße Weh.
Wenn die Gräser sprossen wollen Weht daher ein lauer Wind, Und das Eis zerspringt in Schollen Und der weiche Schnee zerrinnt.
Schnee, du weißt von meinem Sehnen, Sag′, wohin doch geht dein Lauf? Folge nach nur meinen Tränen, Nimmt dich bald das Bächlein auf.
Wirst mit ihm die Stadt durchziehen, Munt′re Straßen ein und aus; Fühlst du meine Tränen glühen, Da ist meiner Liebsten Haus.
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Interpretation
Das Gedicht "Wasserflut" von Wilhelm Müller handelt von der tiefen Sehnsucht und dem Schmerz eines lyrischen Ichs, das um eine verlorene Liebe trauert. Die Tränen des Ichs, die in den Schnee fallen, symbolisieren die emotionale Kälte und die unerträgliche Hitze des Leidens, die sich in einem paradoxen Bild vereinen. Der Schnee, der die Tränen aufsaugt, wird zum Metapher für die Aufnahme und das Verbergen des Schmerzes, der im Verlauf des Gedichts eine transformative Reise antritt. Die Natur, dargestellt durch das Tauen des Schnees und das Brechen des Eises, spiegelt den inneren Zustand des lyrischen Ichs wider. Der Wechsel von Winter zu Frühling, symbolisiert durch das Tauwetter, deutet auf eine Veränderung und die Möglichkeit der Heilung hin. Die Tränen, die sich in einem Bächlein sammeln, werden zu einem Fluss der Erinnerung und der Sehnsucht, der seinen Weg durch die Stadt sucht, um schließlich am Haus der Geliebten anzukommen. Die Reise der Tränen durch die Stadt, vorbei an "munteren Straßen", kontrastiert die äußere Heiterkeit mit der inneren Verzweiflung des lyrischen Ichs. Die Frage, ob die Tränen am Haus der Geliebten "glühen" werden, impliziert die Hoffnung, dass die Emotionen des Ichs die Geliebte erreichen und sie an die gemeinsame Vergangenheit erinnern könnten. Das Gedicht endet mit der Ahnung, dass die Tränen, die in den Schnee fielen, ihren Weg zurück zum Ursprung des Schmerzes finden werden. Die lyrische Form des Gedichts, mit seinem regelmäßigen Rhythmus und dem Reimschema, verleiht dem Text eine musikalische Qualität, die die emotionale Intensität unterstreicht. Die Sprache ist einfach und direkt, was die universelle Natur des Schmerzes und der Sehnsucht betont. Wilhelm Müller nutzt die Natur als Spiegel der menschlichen Emotionen und schafft es, die tiefe Trauer und die unerfüllte Liebe in ein eindringliches Bild zu fassen, das den Leser berührt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Und das Eis zerspringt in Schollen Und der weiche Schnee zerrinnt
- Metapher
- Nimmt dich bald das Bächlein auf
- Personifikation
- Fühlst du meine Tränen glühen
- Symbolik
- Da ist meiner Liebsten Haus