Was willst du von mir?

Joachim Ringelnatz

1883

Möchtest du meine Frau werden, Da meine Haare schon grau werden, Schon größtenteils sind? Möchtest du über mich lachen? Soll ich dir Freude machen? Oder ein Kind?

Willst du die Peitsche spüren? Soll ich dich ausführen? Brauchst du Geld oder einen Rat? Willst du mit mir spielen? Oder gefielen oder mißfielen Dir Taten, die ich tat?

Warum bist du so still? Soll ich dich beklagen? Sag doch einmal: “Ich will……” Oder sonst ein deutliches Wort. Soll ich dich verjagen? Ja. Geh zu! Nein! - Du! Bitte, bitte, geh nicht fort.

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Interpretation

Das Gedicht "Was willst du von mir?" von Joachim Ringelnatz handelt von der Verwirrung und Verzweiflung eines Mannes, der von einer Frau umworben wird, deren Absichten er nicht versteht. Der Sprecher stellt eine Reihe von Fragen, die von den banalsten bis zu den intimsten reichen, und drückt dabei seine Unsicherheit und sein Unbehagen aus. Er fragt sich, ob sie ihn aus Mitleid heiraten will, ob sie ihn auslachen will, ob sie ein Kind von ihm haben will oder ob sie ihn nur ausnutzen will. Die zweite Strophe verstärkt das Gefühl der Verwirrung und des Unbehagens. Der Sprecher fragt sich, ob die Frau ihn bestrafen will, ob sie ihn ausführen will, ob sie Geld oder einen Rat von ihm will oder ob sie nur mit ihm spielen will. Er fragt sich auch, ob ihr seine Taten gefallen oder missfallen haben. Die Wiederholung der Frage "Willst du..." unterstreicht die Unsicherheit des Sprechers und seine Unfähigkeit, die Absichten der Frau zu durchschauen. Die dritte Strophe endet mit einer verzweifelten Bitte des Sprechers, die Frau möge ihm sagen, was sie von ihm will. Er bittet sie, ihm ein deutliches Wort zu sagen, damit er weiß, was er tun soll. Er droht ihr sogar damit, sie zu verjagen, wenn sie ihm nicht antwortet. Doch am Ende gibt er nach und bittet sie, zu bleiben. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Verzweiflung und der Hoffnungslosigkeit, da der Sprecher nicht weiß, was er tun soll.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Appell
Bitte, bitte, geh nicht fort.
Imperativ
Soll ich dich verjagen? Ja. Geh zu! Nein! - Du!
Rhetorische Frage
Warum bist du so still? Soll ich dich beklagen?