Was will ich mehr

August von Platen

1834

Was will ich mehr, als flüchtig dich erblicken? Was wär ich, trüg ich heißeres Verlangen? In welche Netze würd ich, wenn ich hangen An deinem Auge bliebe, mich verstricken!

Was will ich mehr noch, als ein eilig Nicken? Es würden deine Worte mich befangen: Vom Schützen wird ein Vogel rasch umgangen, Wenn mehr er will, als an der Kirsche picken.

Wohl mögen Reize, die so ganz dein eigen, Den Wunsch der Sehnsucht in den Andern wecken, Sich dir zu nahn und dir ein Herz zu zeigen.

Ich werde nur, wenn Jene sich entdecken, Vor deiner Schönheit huldigend mich neigen, Nicht Eine Silbe soll dein Ohr erschrecken!

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Illustration zu Was will ich mehr

Interpretation

Das Gedicht "Was will ich mehr" von August von Platen handelt von einem unerfüllten Liebesverlangen, das sich in Zurückhaltung und Bewunderung ausdrückt. Der Sprecher beschreibt seine Sehnsucht nach einem kurzen Blick auf die Angebetete und betont, dass er keine tiefere Bindung anstrebt. Die Metapher der Netze deutet auf die Gefahr hin, sich zu sehr zu verlieben und emotional gefangen zu sein. Die Vergleich mit dem Schützen und dem Vogel verdeutlicht die flüchtige Natur der Begegnung und die Gefahr, zu viel zu wollen. Die Zurückhaltung des Sprechers wird in den folgenden Strophen weiter betont. Er erkennt an, dass die Schönheit der Angebeteten andere dazu verleiten könnte, ihr Herz zu zeigen, doch er selbst bleibt distanziert. Die Huldigung vor ihrer Schönheit ist seine einzige Form der Verehrung, ohne dass er selbst den Mut aufbringt, ihr seine Gefühle zu offenbaren. Die letzte Zeile unterstreicht seine Entschlossenheit, sie nicht mit seinen Worten zu belasten oder zu erschrecken. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Stimmung der unausgesprochenen Sehnsucht und der selbstauferlegten Distanz. Der Sprecher bewundert die Angebetete von weitem, ohne jemals den Schritt zu wagen, ihr seine Gefühle zu gestehen. Dieses Verhalten spiegelt eine tiefe Unsicherheit und die Angst vor Zurückweisung wider, die in der romantischen Dichtung des 19. Jahrhunderts oft anzutreffen ist.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
Nicht Eine Silbe soll dein Ohr erschrecken!
Metapher
Was will ich mehr, als flüchtig dich erblicken?
Personifikation
Sich dir zu nahn und dir ein Herz zu zeigen
Rhetorische Frage
Was will ich mehr, als flüchtig dich erblicken?
Vergleich
Vom Schützen wird ein Vogel rasch umgangen, / Wenn mehr er will, als an der Kirsche picken.