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Was soll ich nur von eurer Liebe glauben?

Von

Was soll ich nur von eurer Liebe glauben?
Was kriecht ihr immer so in dunkle Lauben?
Wozu das ewge Flüstern und Gemunkel?
Das scheinen höchst verdächtige Geschichten.
Und selbst die besten ehelichen Pflichten,
Von allem Tun die schönste Tätigkeit,
In Tempeln von des Priesters Hand geweiht,
Ihr hüllt sie in ein schuldbewußtes Dunkel.

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Gedicht: Was soll ich nur von eurer Liebe glauben? von Wilhelm Busch

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Was soll ich nur von eurer Liebe glauben?“ von Wilhelm Busch ist eine satirische Betrachtung über die Heuchelei und das Misstrauen, die mit der Liebe und deren Darstellung in der Gesellschaft verbunden sind. Der Autor stellt in Frage, warum die Liebenden ihre Gefühle und Handlungen im Geheimen ausleben und was die Motivation für dieses Verhalten ist.

Das Gedicht beginnt mit einer direkten Anrede, die den Leser mit einbezieht und sofort das Hauptthema der Skepsis aufgreift. Die Fragen „Was soll ich nur von eurer Liebe glauben?“ und „Was kriecht ihr immer so in dunkle Lauben?“ deuten auf eine allgemeine Verwirrung und ein Misstrauen gegenüber dem Verhalten der Liebenden hin. Die Verwendung des Wortes „kriecht“ suggeriert heimliches, unauffälliges Vorgehen, das als verdächtig empfunden wird. Das „Flüstern und Gemunkel“ verstärkt diesen Eindruck und deutet auf Geheimhaltung und mögliche Täuschung hin.

Der zweite Teil des Gedichts vertieft die Kritik, indem er auch die ehelichen Pflichten, die eigentlich als „schönste Tätigkeit“ gelten, in Frage stellt. Durch die Formulierung „Ihr hüllt sie in ein schuldbewußtes Dunkel“ wird der Eindruck erweckt, selbst die legalisierten und gesellschaftlich anerkannten Formen der Liebe werden im Verborgenen praktiziert. Diese Aussage deutet auf eine Diskrepanz zwischen dem, was nach außen hin gezeigt wird, und dem, was im Verborgenen geschieht, hin. Die vermeintliche Schuld, die mit dem Tun verbunden wird, unterstreicht die satirische Absicht des Dichters.

Insgesamt ist das Gedicht eine Kritik an der Doppelmoral und der Geheimhaltung, die oft mit der Liebe einhergehen. Busch hinterfragt die Motive hinter dem verdeckten Verhalten der Liebenden und suggeriert, dass es mehr als nur romantische Gefühle sein könnten. Das Gedicht ist ein Beispiel für Buschs Fähigkeit, mit humorvollen und satirischen Mitteln gesellschaftliche Konventionen und menschliche Eigenarten zu sezieren und zur Diskussion zu stellen. Die Kürze und Prägnanz des Gedichts verstärken die Wirkung seiner satirischen Botschaft.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.