Was reif in diesen Zeilen steht

Clemens Brentano

1835

Was reif in diesen Zeilen steht, Was lächelnd winkt und sinnend fleht, Das soll kein Kind betrüben, Die Einfalt hat es ausgesäet, Die Schwermut hat hindurchgeweht, Die Sehnsucht hat’s getrieben; Und ist das Feld einst abgemäht, Die Armut durch die Stoppeln geht, Sucht Ähren, die geblieben, Sucht Lieb’, die für sie untergeht, Sucht Lieb’, die mit ihr aufersteht, Sucht Lieb’, die sie kann lieben, Und hat sie einsam und verschmäht Die Nacht durch dankend in Gebet Die Körner ausgerieben, Liest sie, als früh der Hahn gekräht, Was Lieb’ erhielt, was Leid verweht, Ans Feldkreuz angeschrieben, O Stern und Blume, Geist und Kleid, Lieb’, Leid und Zeit und Ewigkeit!

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Interpretation

Das Gedicht "Was reif in diesen Zeilen steht" von Clemens Brentano thematisiert die Entstehung und Bedeutung seiner eigenen poetischen Werke. Die Verse vergleichen die Gedichte mit einem reifen Feld, das von Einfalt, Schwermut und Sehnsucht genährt wurde. Brentano möchte mit seinen Worten keine Kinder betrüben, sondern vielmehr ein tiefes Gefühl von Liebe und Leid vermitteln. In den folgenden Strophen wird die Armut als Symbol für den Leser dargestellt, der durch die Stoppeln des Feldes geht und nach den übrig gebliebenen Ähren der Liebe sucht. Die Armut steht hier für den einfachen, bescheidenen Menschen, der nach geistiger Nahrung und Erkenntnis strebt. Brentano betont, dass die wahre Liebe, die für den Leser untergeht und mit ihm aufersteht, diejenige ist, die er lieben kann. Im letzten Teil des Gedichts beschreibt Brentano, wie die Armut, einsam und verschmäht, in der Nacht dankend in Gebet die Körner ausgerieben hat. Am nächsten Morgen, wenn der Hahn gekräht hat, liest sie am Feldkreuz, was Liebe erhalten und Leid verweht hat. Das Gedicht schließt mit einem Aufruf an den Stern, die Blume, den Geist und das Kleid, sowie an Liebe, Leid, Zeit und Ewigkeit, was die universelle und zeitlose Natur der poetischen Botschaft unterstreicht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Ans Feldkreuz angeschrieben
Personifikation
Was lächelnd winkt und sinnend fleht
Symbolik
O Stern und Blume, Geist und Kleid, Lieb', Leid und Zeit und Ewigkeit!