Was ist die Mehrheit?
1805Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen. Bekümmert sich ums Ganze, wer nicht hat? Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl? Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt, um Brot und Stiefel seine Stimm’ verkaufen. Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen; der Staat muß untergehn, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
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Interpretation
Das Gedicht "Was ist die Mehrheit?" von Friedrich von Schiller kritisiert die Demokratie und die Macht der Mehrheit. Schiller stellt die Frage nach der Bedeutung der Mehrheit und kommt zu dem Schluss, dass Mehrheit oft mit Unsinn gleichzusetzen ist. Er argumentiert, dass Verstand und Weisheit eher bei wenigen Menschen zu finden sind und nicht bei der breiten Masse. Der Dichter hinterfragt die Legitimität der Mehrheitsentscheidungen und stellt die Frage, ob sich jemand um das Ganze kümmert, der selbst nichts hat. Er deutet an, dass ein Bettler, der um sein Überleben kämpft, keine wirkliche Freiheit oder Wahl hat und gezwungen ist, seine Stimme an den Mächtigen zu verkaufen, der ihn bezahlt. Schiller fordert, dass Stimmen gewogen und nicht gezählt werden sollten, da die Qualität der Entscheidung wichtiger ist als die reine Anzahl der Stimmen. Er warnt davor, dass ein Staat, in dem die Mehrheit regiert und der Unverstand entscheidet, früher oder später untergehen wird. Das Gedicht ist eine Kritik an der Demokratie und der Idee, dass die Mehrheit immer recht hat. Schiller plädiert für eine Elite von klugen und weisen Menschen, die die Entscheidungen treffen sollten, anstatt der breiten Masse. Das Gedicht ist ein Aufruf zur Vernunft und zur Besinnung auf das Wesentliche. Schiller warnt davor, dass die Macht der Mehrheit zu einem Niedergang der Gesellschaft führen kann, wenn sie von Unverstand und Ignoranz bestimmt wird. Er fordert eine Rückbesinnung auf die Werte der Aufklärung und die Bedeutung von Bildung und Intelligenz für den Fortschritt der Gesellschaft. Das Gedicht ist ein zeitloser Appell für eine vernünftige und weise Führung, die sich nicht von der Masse beeinflussen lässt, sondern auf das Wohl des Ganzen bedacht ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- der Staat muß untergehn, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet
- Ironie
- Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen
- Kontrast
- Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen
- Metapher
- Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn
- Rhetorische Frage
- Was ist die Mehrheit?