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Was ist die Mehrheit?

Von

Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn,
Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen.
Bekümmert sich ums Ganze, wer nicht hat?
Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
um Brot und Stiefel seine Stimm‘ verkaufen.
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen;
der Staat muß untergehn, früh oder spät,
wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.

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Gedicht: Was ist die Mehrheit? von Friedrich Schiller

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Was ist die Mehrheit?“ von Friedrich Schiller ist eine pointierte Kritik an der politischen Bedeutung der Mehrheit und eine Verherrlichung des Verstandes als Leuchtturm in einer von Ungerechtigkeit und Unvernunft geprägten Gesellschaft. Schiller stellt die Frage nach der wahren Bedeutung der Mehrheit und kommt zu dem Schluss, dass sie oft von „Unsinn“ geprägt ist, während der Verstand nur bei wenigen zu finden ist. Dies ist eine klare Abkehr von demokratischen Idealen, die die Stimme der Mehrheit als legitime Grundlage politischer Entscheidungen betrachten.

Die Verse verdeutlichen, dass die Mehrheit oft durch materielle Interessen und äußere Zwänge manipuliert wird. Der Bettler, der gezwungen ist, seine Stimme für „Brot und Stiefel“ zu verkaufen, symbolisiert die Abhängigkeit und fehlende Freiheit, die viele Menschen in einer Gesellschaft haben. Schiller wirft die Frage auf, inwieweit eine Mehrheit, die durch solche Umstände beeinflusst wird, tatsächlich eine freie und rationale Entscheidung treffen kann. Die Betonung der „Stimmen wägen und nicht zählen“ unterstreicht die Idee, dass Qualität und Kompetenz wichtiger sind als die bloße Anzahl der Stimmen.

Schillers Sprache ist prägnant und direkt, was seine Kritik umso wirkungsvoller macht. Er verzichtet auf beschönigende Formulierungen und spricht stattdessen Klartext. Der Gebrauch von rhetorischen Fragen, wie „Bekümmert sich ums Ganze, wer nicht hat?“, fordert den Leser heraus, über die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft nachzudenken. Die gewählten Worte lassen eine tiefe Skepsis gegenüber der Fähigkeit der Mehrheit erkennen, weise Entscheidungen zu treffen.

Das Gedicht endet mit einer düsteren Prognose: „der Staat muß untergehn, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.“ Diese Zeile unterstreicht die Überzeugung Schillers, dass eine Gesellschaft, die sich von der Mehrheit und dem Unverstand leiten lässt, zum Scheitern verurteilt ist. Es ist eine Mahnung, die Bedeutung von Verstand und kritischem Denken zu erkennen und sich von manipulativen Kräften zu distanzieren, um eine gerechtere und stabilere Gesellschaft aufzubauen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.