Was ist der Mensch?

Erich Kurt Mühsam

1914

Was ist der Mensch? Ein Magen, zwei Arme, ein kleines Hirn und ein großer Mund, und eine Seele - daß Gott erbarme! -

Was muß der Mensch? Muß schlafen und denken, muß essen und feilschen und Karren lenken, muß wuchern mit seinem halben Pfund. Muß beten und lieben und fluchen und hassen, muß hoffen und muß sein Glück verpassen - und leiden wie ein geschundner Hund.

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Interpretation

Das Gedicht "Was ist der Mensch?" von Erich Kurt Mühsam zeichnet ein düsteres und zynisches Bild der menschlichen Existenz. Es beginnt mit einer Reduzierung des Menschen auf seine physischen Bestandteile: einen Magen, zwei Arme, ein kleines Hirn und einen großen Mund. Diese Beschreibung suggeriert eine materialistische Sichtweise, die den Menschen auf seine bloße körperliche Existenz und seine basalen Bedürfnisse reduziert. Die Erwähnung der Seele, gefolgt von dem Ausruf "daß Gott erbarme!", deutet auf eine tiefe Skepsis gegenüber spirituellen oder höheren Werten hin. Im zweiten Teil des Gedichts werden die notwendigen Handlungen und Verhaltensweisen des Menschen aufgelistet. Diese reichen von den grundlegenden Bedürfnissen wie Schlafen und Essen bis hin zu komplexeren Tätigkeiten wie Denken, Feilschen und Karren lenken. Die Aufzählung der menschlichen Aktivitäten umfasst sowohl positive Aspekte wie Beten und Lieben als auch negative wie Fluchen und Hassen. Die abschließende Zeile "und leiden wie ein geschundner Hund" unterstreicht die insgesamt pessimistische Sichtweise des Gedichts auf das menschliche Dasein. Insgesamt präsentiert das Gedicht eine kritische und resignierte Perspektive auf die menschliche Natur. Es suggeriert, dass der Mensch ein Wesen ist, das von seinen basalen Bedürfnissen und Instinkten getrieben wird, ohne einen höheren Sinn oder Zweck zu haben. Die Wiederholung des Wortes "muß" betont die Zwangsläufigkeit und die Begrenztheit des menschlichen Daseins. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, über die Natur des Menschen und seinen Platz im Universum nachzudenken, und hinterlässt dabei einen nachdenklichen und leicht desillusionierenden Eindruck.

Schlüsselwörter

muß mensch magen zwei arme kleines hirn großer

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Stilmittel

Anapher
muß
Hyperbel
ein großer Mund
Metapher
sein Glück verpassen
Parallelismus
muß schlafen und denken, muß essen und feilschen und Karren lenken
Personifikation
eine Seele - daß Gott erbarme!
Vergleich
und leiden wie ein geschundner Hund