Was ich liebe
unknownIch liebe die hektischen, schlanken Narzissen mit blutrothem Mund; Ich liebe die Qualengedanken, Die Herzen zerstochen und wund;
Ich liebe die Fahlen und Bleichen, Die Frauen mit müdem Gesicht, Aus welchen in flammenden Zeichen, Verzehrende Sinnenglut spricht;
Ich liebe die schillernden Schlangen, So schmiegsam und biegsam und kühl: Ich liebe die klagenden, bangen, Die Lieder von Todesgefühl;
Ich liebe die herzlosen, grünen Smaragde vor jedem Gestein; Ich liebe die gelblichen Dünen Im bläulichen Mondenschein;
Ich liebe die glutendurchtränkten, Die Düfte, berauschend und schwer; Die Wolken, die blitzedurchsengten, Das graue wuthschäumende Meer;
Ich liebe, was niemand erlesen, Was keinem zu lieben gelang: Mein eigenes, urinnerstes Wesen Und alles, was seltsam und krank.
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Interpretation
Das Gedicht "Was ich liebe" von Felix Dörmann ist eine intensive Erkundung der dunklen und unkonventionellen Aspekte der Schönheit und des menschlichen Seins. Der Sprecher offenbart eine Vorliebe für Dinge, die oft als unangenehm oder verstörend empfunden werden. Er liebt die "hektischen, schlanken Narzissen mit blutrothem Mund", was auf eine Faszination für das Morbide und Vergängliche hindeutet. Ebenso findet er Schönheit in "Qualengedanken" und "verzehrender Sinnenglut", was auf eine Affinität zu intensiven, manchmal schmerzhaften Emotionen und Erfahrungen schließen lässt. Die zweite Strophe erweitert diese Themen um die Beschreibung von "fahlen und bleichen" Frauen, deren müde Gesichter eine "verzehrende Sinnenglut" ausdrücken. Dies könnte als eine Wertschätzung für die Tiefe und Komplexität menschlicher Erfahrungen interpretiert werden, die oft von Leiden und Leidenschaft geprägt sind. Die Erwähnung von "schillernden Schlangen" und "klagenden, bangen Liedern von Todesgefühl" verstärkt die Verbindung zu gefährlichen, aber faszinierenden Elementen, die sowohl Schönheit als auch Bedrohung in sich bergen. Im letzten Teil des Gedichts erweitert der Sprecher seine Vorlieben auf unbelebte Objekte wie "herzlose, grüne Smaragde" und "gelbliche Dünen im bläulichen Mondenschein", die eine unnatürliche oder surreale Ästhetik verkörpern. Die abschließenden Zeilen offenbaren, dass der Sprecher letztlich das liebt, "was niemand erlesen" und "was seltsam und krank" ist. Dies deutet auf eine tiefe Selbstreflexion und eine Annahme der eigenen Einzigartigkeit und möglicherweise der eigenen Unvollkommenheiten hin. Das Gedicht endet mit einer kraftvollen Aussage über die Liebe zu seinem "eigenen, urinnerstes Wesen", was auf eine tiefe Verbindung zu den dunkleren, oft verborgenen Aspekten des Selbst hindeutet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Was niemand erlesen
- Metapher
- graue wuthschäumende Meer
- Parallelismus
- Ich liebe die hektischen, schlanken Narzissen mit blutrothem Mund; Ich liebe die Qualengedanken, Die Herzen zerstochen und wund;
- Personifikation
- Herzen zerstochen und wund