Warum willst du draußen stehen
1607Warum willst du draußen stehen, du Gesegneter des Herrn? Laß dir bei mir einzugehen wohlgefallen, du mein Stern! Du mein Jesus, meine Freud, Helfer in der rechten Zeit, hilf, o Heiland, meinem Herzen, von den Wunden, die mich schmerzen.
Will ich denn mein Elend lindern und erleichtern meine Not bei der Welt und ihren Kindern, fall ich nur in neue Not: da ist Trost, der mich betrübt, Freude, die mein Unglück liebt, Helfer, die mir Herzleid machen, gute Freunde, die mein lachen.
In der Welt ist alles nichtig, nichts ist, das nicht kraftlos wär. Hab ich hoheit, die ist flüchtig; Hab ich Reichtum, was ists mehr als ein Stücklein armer Erd? Hab ich Lust, was ist sie wert? was ists, das mich heut erfreuet, das mich morgen nicht gereuet?
Aller Trost und alle Freude ruht in dir, Herr Jesus Christ: dein Erfreuen ist die Weide, da man immer fröhlich ist. Leuchte mir, o Freudenlicht, ehe mir mein Herze bricht, laß mich, Herr, an dir erquicken, Jesus, komm, laß dich erblicken.
Freu dich, Herz, du bist erhöret, jetzo zeucht er bei dir ein; sein Gang ist zu dir gekehret, heiß ihn nur willkommen fein und bereite dich ihm zu, gib dich ganz zu seiner Ruh, öffne dein Gemüt und Seele, klag ihm, was dich drück und quäle.
Was du Böses hast begangen, das ist alles abgeschafft; Gottes Liebe nimmt gefangen deiner Sünden Macht und Kraft. Christi Sieg behält das Feld, und was Böses in der Welt sich will wider dich erregen, wird zu lauter Glück und Segen.
Alles dient zu deinem Frommen, was dir bös und schädlich scheint, weil dich Christus angenommen und es treulich mit dir meint. Bleibst du dem nur wieder teu, ists gewiß und bleibt dabei, daß du mit den Engeln droben ihn dort ewig werdest loben.
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Interpretation
Das Gedicht "Warum willst du draußen stehen" von Paul Gerhardt ist ein geistliches Lied, das die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach Jesus Christus als dem wahren Trost und der wahren Freude ausdrückt. Das Gedicht ist in sechs Strophen gegliedert, die jeweils einen anderen Aspekt der Beziehung zwischen dem Menschen und Gott beleuchten. In der ersten Strophe bittet das lyrische Ich Jesus, in sein Herz einzugehen und ihm von seinen seelischen Wunden zu heilen. Es fragt, warum Jesus draußen stehen will, obwohl er der Gesegnete des Herrn ist und der Helfer in der rechten Zeit. Das lyrische Ich sehnt sich danach, Jesus als seinen Stern und seine Freude zu empfangen. In der zweiten Strophe beschreibt das lyrische Ich die Erfahrung, dass die Welt und ihre Kinder keinen echten Trost und keine echte Freude bieten können. Es erlebt, dass der Trost der Welt es nur betrübt, die Freude ihm Unglück bringt und die Helfer ihm Herzleid machen. Es fühlt sich von den guten Freunden missverstanden und verlassen. In der dritten Strophe reflektiert das lyrische Ich über die Vergänglichkeit und Nichtigkeit aller irdischen Güter und Freuden. Es fragt sich, was Hoheit, Reichtum und Lust wert sind, wenn sie flüchtig, kraftlos und reuig sind. Es erkennt, dass alles, was es heute erfreut, es morgen bereuen könnte. In der vierten Strophe wendet sich das lyrische Ich wieder an Jesus und preist ihn als den Herrn und Erlöser. Es preist ihn als die Weide, wo man immer fröhlich ist, und als das Freudenlicht, das sein Herz vor dem Brechen bewahren soll. Es bittet Jesus, zu ihm zu kommen und sich ihm zu zeigen. In der fünften Strophe freut sich das lyrische Ich über die Antwort Jesu auf sein Gebet. Es freut sich, dass Jesus bei ihm einzieht und zu ihm kehrt. Es heißt Jesus willkommen und bereitet sich darauf vor, ihm seine ganze Seele zu öffnen. Es klagt Jesus alles, was es bedrückt und quält. In der sechsten und letzten Strophe fasst das lyrische Ich die Bedeutung des Glaubens an Jesus zusammen. Es preist die Liebe Gottes, die alle Sünden vergibt und alle Feinde besiegt. Es preist die Treue Christi, der alles zum Besten des Menschen wendet. Es preist die Hoffnung auf die ewige Gemeinschaft mit Jesus und den Engeln im Himmel.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Warum willst du draußen stehen, / du Gesegneter des Herrn? / Laß dir bei mir einzugehen / wohlgefallen, du mein Stern!
- Hyperbel
- Alles dient zu deinem Frommen
- Metapher
- du mein Stern!
- Parallelismus
- da ist Trost, der mich betrübt, / Freude, die mein Unglück liebt, / Helfer, die mir Herzleid machen, / gute Freunde, die mein lachen.
- Personifikation
- Gottes Liebe nimmt gefangen / deiner Sünden Macht und Kraft.