Warte, wilder Schiffmann
1827Warte, warte, wilder Schiffmann, gleich folg’ ich zum Hafen dir; von zwei Jungfraun nehm’ ich Abschied, von Europa und von ihr.
Blutquell, rinn’ aus meinen Augen, Blutquell, brich aus meinem Leib, daß ich mit dem heißen Blute meine Schmerzen niederschreib'.
Ei, mein Lieb, warum just heute schauderst du, mein Blut zu sehn? Sahst mich bleich und herzeblutend lange Jahre vor dir stehn!
Kennst du noch das alte Liedchen von der Schlang’ im Paradies, die durch schlimme Apfelgabe unsern Ahn ins Elend stieß.
Alles Unheil brachten Äpfel! Eva bracht’ damit den Tod, Eris brachte Trojas Flammen, du brachst’st beides, Flamm’ und Tod.
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Interpretation
Das Gedicht "Warte, wilder Schiffmann" von Heinrich Heine handelt von einer Person, die sich von Europa und einer Geliebten verabschiedet und in einem Boot flieht. Die Person ist voller Schmerz und Leid, was durch die blutenden Augen und den Körper symbolisiert wird. Sie schreibt ihre Schmerzen mit ihrem eigenen Blut auf, um sie auszudrücken. In den folgenden Strophen wird die Geliebte angesprochen, die sich plötzlich vor dem Anblick des Blutes ekelt. Die Person fragt sich, warum gerade jetzt, da sie schon lange blass und herzblutend vor ihr gestanden hat, diese Reaktion kommt. Es wird auf ein altes Lied über die Schlange im Paradies angespielt, die durch den Apfel Eva ins Unglück stürzte. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass Äpfel das Unheil bringen. Eva brachte den Tod durch den Apfel, Eris brachte die Flammen von Troja durch den Apfel und die Geliebte brachte beides, Flammen und Tod. Dies deutet darauf hin, dass die Geliebte für das Leid und den Schmerz der Person verantwortlich ist, ähnlich wie Eva und Eris in den erwähnten Mythen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Warte, warte, wilder Schiffmann
- Anspielung
- Kennst du noch das alte Liedchen von der Schlang' im Paradies
- Bildliche Sprache
- Alles Unheil brachten Äpfel! Eva bracht' damit den Tod, Eris brachte Trojas Flammen, du brachst'st beides, Flamm' und Tod.
- Hyperbel
- daß ich mit dem heißen Blute meine Schmerzen niederschreib'
- Metapher
- Blutquell, rinn' aus meinen Augen, Blutquell, brich aus meinem Leib
- Rhetorische Frage
- Ei, mein Lieb, warum just heute schauderst du, mein Blut zu sehn?