Wankelmut
1870Was bin ich alter Bösewicht So wankelig von Sinne. Ein leeres Glas gefällt mir nicht, Ich will, das was darinne.
Das ist mir so ein dürr Geklirr; He, Kellnerin, erscheine! Laß dieses öde Trinkgeschirr Befeuchtet sein von Weine!
Nun will mir aber dieses auch Nur kurze Zeit gefallen; Hinunter muß es durch den Schlauch Zur dunklen Tiefe wallen. -
So schwank ich ohne Unterlaß Hinwieder zwischen beiden. Ein volles Glas, ein leeres Glas Mag ich nicht lange leiden.
Ich bin gerade so als wie Der Erzbischof von Köllen, Er leert sein Gläslein wuppheidi Und läßt es wieder völlen
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Interpretation
Das Gedicht "Wankelmut" von Wilhelm Busch beschreibt die unstete und widersprüchliche Natur des Menschen, symbolisiert durch einen trinkfreudigen Mann. Der Protagonist zeigt eine ständige Unzufriedenheit, die sich in seinem wechselnden Verlangen nach vollen und leeren Gläsern äußert. Er kann sich nicht auf einen Zustand festlegen und ist ständig zwischen zwei Extremen hin- und hergerissen. Der Wankelmut des Mannes wird durch seine Unbeständigkeit in Bezug auf sein Trinkverhalten verdeutlicht. Er möchte zunächst ein gefülltes Glas, um den öden Klang eines leeren Glases zu vermeiden. Doch kaum ist das Glas gefüllt, will er es wieder leeren, um den Inhalt in die "dunkle Tiefe" fließen zu lassen. Diese ständige Unzufriedenheit und das Hin- und Herwechseln zwischen vollen und leeren Gläsern spiegeln die innere Zerrissenheit und Unentschlossenheit des Menschen wider. Am Ende des Gedichts wird der Protagonist mit dem Erzbischof von Köln verglichen, der ebenfalls in einem ständigen Kreislauf des Leerens und Auffüllens seiner Gläser gefangen ist. Dieser Vergleich verdeutlicht, dass der Wankelmut und die Unbeständigkeit des Menschen nicht nur auf einfache Leute beschränkt sind, sondern auch Personen in hohen Positionen betreffen können. Das Gedicht zeigt somit die universelle Natur der menschlichen Unzufriedenheit und die Schwierigkeit, einen dauerhaften Zustand des Glücks oder der Zufriedenheit zu erreichen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Was bin ich alter Bösewicht
- Anapher
- Ein volles Glas, ein leeres Glas
- Metapher
- Zur dunklen Tiefe wallen
- Personifikation
- Laß dieses öde Trinkgeschirr Befeuchtet sein von Weine
- Vergleich
- Ich bin gerade so als wie Der Erzbischof von Köllen